Das Programm, das die Körner einsammelt, heißt 4K und gehört zum Landwirtschaftsministerium. Seit 2025 reisen seine Leute durch die Provinz und fragen nach altem Saatgut. Eleanor Lotivo, kommissarische Leiterin des Koordinationsbüros für Agrarprogramme, schickte die Sammlung an PhilRice in Muñoz, Nueva Ecija. Dort prüften Forscher, was tatsächlich verschieden war.
Das Ergebnis erzählt zwei Geschichten zugleich. Mehr als 180 Sorten sind eigenständig — und die Dubletten sind kein Fehler, sondern Sprache: Dasselbe Korn heißt im Nachbartal anders, benannt nach Farbe, Duft, Reifezeit oder nach dem Menschen, der es einst mitbrachte. Wer die Sorten zählen will, muss erst die Namen entwirren.
Die Bauern beschreiben ihre Sorten als alt und widerstandsfähig, mit natürlicher Abwehr gegen Schädlinge. Das hat mit dem Anbau zu tun. In den Höhenlagen Palawans wächst Reis in kaingin-Parzellen: eine gerodete, gebrannte Fläche, ein oder zwei Ernten, dann jahrelange Brache. Regen statt Kanal, Pflanzstock statt Setzling. Was dort überlebt, ist hochwüchsig, langsam reifend, trockenfest — nicht ertragreich. Genau die Eigenschaften, für die moderne Zuchtlinien nie gemacht wurden.
PhilRice trocknet und kühlt das Saatgut und baut es in Abständen wieder an, damit es keimfähig bleibt. Sechzig Kilometer südlich von Manila lagert das Internationale Reisforschungsinstitut die größte Reissammlung der Welt; Duplikate ihrer Bestände liegen in einem Berg auf Spitzbergen. Palawans Körner sind noch nicht dort. Aber sie sind aus der Zone verschwunden, in der eine Sorte mit dem letzten Bauern endet, der sie kannte.
Neben dem Saatgut liefert das 4K-Programm Maschinen für Anbau und Nachernte an Familien innerhalb der angestammten Gebiete. Der Reis der Tagbanua ist nicht nur Nahrung: Aus der Ernte gärt tabad, der Reiswein für das pagdiwata-Ritual. Wer die Sorte verliert, verliert mehr als einen Ertrag.