Genau an dieser Stelle setzt das Gerät an, das Torrico gemeinsam mit Forschenden des spanischen Instituto de Salud Carlos III, der Universidad Politécnica de Madrid, des Unternehmens SpotLab, von CIBER-ISCIII und der Fundación Mundo Sano entwickelt und erprobt hat. Ein im 3D-Drucker gefertigter Adapter hält das Telefon über dem Okular eines konventionellen optischen Mikroskops. Der Rest läuft auf dem Handy selbst: Ein KI-Modell erkennt Trypanosoma cruzi in der Aufnahme und zählt.

Getestet wurde das System an Blut- und Liquorproben, die in Bolivien gesammelt wurden, dazu an Material aus Tiermodellen. Es erreichte rund 86 Prozent Treffsicherheit; in einem Laborversuch fand eine Person mit dem Telefon-Aufbau mehr als 96 Prozent der vorhandenen Parasiten.

Die Krankheit, die der brasilianische Arzt Carlos Chagas 1909 beschrieb — er entdeckte den Erreger zuerst im Darm der Raubwanzen und suchte danach erst die dazugehörigen Kranken —, ist in 21 Ländern Lateinamerikas heimisch. Etwa acht Millionen Menschen sind infiziert, über 10.000 sterben jährlich daran, mehr als 100 Millionen leben in Risikogebieten. Bolivien trägt die höchste bekannte Last.

Das Zeitfenster für die Mikroskopie ist eng. Sichtbar ist der Parasit im Blut vor allem in der akuten Phase, den ersten acht bis zwölf Wochen nach der Infektion, und bei angeborenen Fällen im Säuglingsalter. Danach zieht er sich in Herz- und Darmmuskulatur zurück, und die Diagnose verlangt zwei verschiedene serologische Tests. Wer das frühe Fenster verpasst, verpasst die Behandlung, die in dieser Phase am besten wirkt.

Torrico beschreibt die Lücke, die das Gerät schließen soll, als eine der Ausstattung und der ausgebildeten Hände — beides fehlt in vielen ländlichen Kliniken. María Flores-Chavez vom ISCIII und María Jesús Ledesma von der UPM sagen, das Ziel sei, das System aus der Veröffentlichung in den Alltag zu bringen und es womöglich auf andere parasitäre Erkrankungen zu übertragen. SpotLab, 2015 von Miguel Luengo-Oroz in Madrid gegründet, hat die Kombination aus Telefon und Mikroskop zuvor bei Malaria, Tuberkulose und bodenübertragenen Würmern eingesetzt.

Die Arbeit erschien in PLOS Neglected Tropical Diseases. Was sie in Cochabamba nun in der Hand halten, kostet wenig und passt in eine Tasche.