Professor Sören Becker, ein Spezialist für Infektionskrankheiten von der Universität des Saarlandes, steht inmitten von 28 Mikrobiologen und Technikern. Er beobachtet ihre Handgriffe, korrigiert die Neigung einer Pipette, erklärt die Nuancen einer Gram-Färbung. Es ist ein intensiver Austausch zwischen dem Team aus Homburg und den Fachkräften der Elfenbeinküste, organisiert im Rahmen des Projekts ComBac Africa. Gemeinsam widmen sie sich der Septikämie, jener schleichenden Gefahr, die oft zu spät erkannt wird, wenn das Fieber bereits die Organe überwältigt.
Früher mussten die Labormitarbeiter in Abidjan geduldig warten. Sie beobachteten, wie Bakterienkulturen über 24 oder 48 Stunden in Nährlösungen heranwuchsen, lasen farbige Reaktionsstreifen ab und glichen numerische Profile mühsam in Registern ab. Doch die Zeit ist bei einer Blutvergiftung der unerbittlichste Feind. Mit der Einführung der MALDI-TOF-Massenspektrometrie ändert sich dieser Rhythmus grundlegend: Ein kurzer Laserstoß verdampft die Proteine der Erreger und liefert innerhalb weniger Augenblicke einen molekularen Fingerabdruck des Killers.
Becker und seine Kollegen lehren nicht nur die Bedienung der Apparate. Es geht um die gesamte Kette der Sorgfalt: von der sicheren Annahme der Blutkulturen über die Anonymisierung der Daten bis hin zur ethisch korrekten Verwaltung der Patienteninformationen. In einem Umfeld, in dem eine stabile Stromversorgung und klimatisierte Räume keine Selbstverständlichkeit sind, erfordert die Aufrechterhaltung solcher Diagnostik eine fast handwerkliche Hingabe.
Wenn die Teilnehmer des Workshops nun in ihre Institutionen zurückkehren, tragen sie mehr als nur neues Wissen über Antibiotika-Resistenzen mit sich. Sie nehmen die Gewissheit mit, dass die Identität eines Erregers kein Rätselraten mehr sein muss, das Tage beansprucht. In der präzisen Stille des Labors von Cocody wurde die Distanz zwischen einer vagen Vermutung und einer gezielten Therapie ein bedeutendes Stück kleiner.