Das Handwerk in Usbekistan erfährt eine stille Rückbesinnung. Über Jahrzehnte waren die privaten Werkstätten in staatlichen Fabriken aufgegangen, wo die Eigenthümlichkeit regionaler Muster der Standardisierung weichen musste. Nun kehrt die Arbeit in die Hände der Familien zurück. In der historischen Okhun-Gozar-Moschee in Taschkent, deren Ziegelwände und Kuppeln sorgsam restauriert wurden, hat Saidaziz Ishankhojaev von der nationalen Kulturstiftung ACDF einen Raum geschaffen, in dem Holzschnitzer, Keramiker und Goldschmiede nebeneinander arbeiten. Das raue, jahrhundertealte Mauerwerk bildet den Rahmen für einen Austausch, der die Jugend direkt an die Werkbänke der Meister führt.

In Nukus, weit im Westen des Landes, widmet sich Gulnora Guvenova der Wiederbelebung einer Töpfertradition, die einst eng mit den Handelswegen der Seidenstraße verknüpft war. Ihre Arbeit verlangt Geduld, die sich nicht mit modernen Produktionszyklen verträgt. Eine einzige Platte, die eine Karawane auf Reisen zeigt, benötigt Wochen: vom Formen des Tons über das Trocknen und den ersten Brand bis hin zum feinen Auftrag der Engobefarben und der abschließenden Glasur.

Es geht bei dieser Bewegung um mehr als die bloße Nachahmung alter Formen. In den Gemeinschaftswerkstätten von Surkhandarya interpretiert Shodmonova das Erbe für ein zeitgenössisches Publikum um, indem sie Schmuckstücke in den Farben der Nationalflagge für internationale Gäste entwirft. Es ist der Versuch, das überlieferte Wissen nicht als Museumsstück zu konservieren, sondern es als lebendigen Bestandteil des täglichen Lebens zu begreifen. In den restaurierten Räumen und Familienbetrieben wird deutlich, dass die Beständigkeit einer Kultur oft in der schlichten, beharrlichen Wiederholung eines Handgriffs liegt.