Die Schulung organisierte Bhutans Department of Media, Creative Industry and Intellectual Property. Die Teilnehmerinnen lernten, Farbe aus einheimischen Pflanzen zu gewinnen — Beifuß voran — und damit die Wolle für Yathra zu färben, jenes handgewebte Tuch mit seinen kräftigen geometrischen Mustern, für das Bumthang seit Jahrhunderten bekannt ist.
Yathra war zuerst kein Kunsthandwerk, sondern Notwendigkeit. In der Kälte des Tals diente das dicke Yak- und Schafwolltuch als Mantel, als Regenschutz, als Bettzeug. Erst später wurde daraus eine Ware. Gewebt wird bis heute auf dem Rückengurtwebstuhl, in Bahnen von etwa drei Metern Länge, die anschließend zusammengenäht und oft mit Wollfaden bestickt werden. Häufig sitzen vier bis sechs Frauen einander gegenüber und arbeiten gemeinsam; Mädchen beginnen mit etwa acht Jahren zu lernen.
Das ältere Farbrepertoire reichte weit über Beifuß hinaus. Krapp wurde in den nahen Wäldern gesammelt, bhutanischer Indigo in den Hausgärten gezogen, die Blätter von Symplocos paniculata — örtlich Pangtse — lieferten frisch oder getrocknet Gelb. Lack kam aus dem Osten des Landes, die Beizmittel aus Tibet. Selbst das Lokale war also auf Handelswege angewiesen. Krappgefärbtes Garn schätzte man dafür, dass es lichtecht bleibt und mit den Jahren an Tiefe gewinnt.
Verdrängt wurde all das von billigem, chemisch gefärbtem Garn aus Indien. Auch die Wolle selbst kommt heute meist von dort, manches aus der Schweiz; bhutanische Wolle ist vergleichsweise teuer geworden.
Hinter der Schulung steht ein größerer Plan. Direktor Sonam Penjor erklärt, die Weberinnen sollten rund um Produkte mit geschützter Herkunftsangabe gestärkt werden; ein Antrag auf GI-Zertifizierung für naturgefärbtes Yathra aus Chhumey ist in Arbeit. Bhutan hat sein nationales System für geografische Herkunftsangaben mit vier Pilotprodukten eröffnet — neben Bumthang Yathra sind das Honig aus Bumthang, Buchweizenmehl aus Dhur-Tandingang und fermentierter Yakkäse aus Merak-Sakteng. Beteiligt sind das nationale IP-Amt, die Arzneimittelbehörde und das Normungsbüro; die Marke soll echte Ware von Nachahmungen unterscheiden.
Ob das trägt, entscheidet sich nicht in den Büros, sondern in den Webstuben von Umsang, Zhurey und Zhung Ngae Chiwog. Dort wird sich zeigen, ob eine Farbe, die aus dem Wegrand kommt, gegen eine ankommt, die aus der Tüte kommt.