Es ist ein leises, aber beständiges Netzwerk, das sich in diesen Tagen über das grüne Asturien spannt. Unter dem Titel Esencia Artesana öffnen sich die Türen von Ateliers, die sonst der Konzentration des Einzelnen vorbehalten sind. Das Projekt der Asociación Cultural Mercado Ecológico y Artesano hat sich zum Ziel gesetzt, das Handwerk nicht als museales Relikt, sondern als lebendiges Gespräch zu führen. In diesem Jahr wird dieses Gespräch vielstimmiger: Neben dem Nachbarn Frankreich sind erstmals Handwerker aus indigenen Gemeinschaften des peruanischen Amazonas geladen, um ihre Techniken mit jenen der europäischen Meister zu verweben.
In den abgelegenen Tälern, wo mehr als 750 der angebotenen Plätze liegen, bewahrt man Fertigkeiten, die anderswo längst der Effizienz gewichen sind. Da ist das Schnitzen der Madreñas, jener schweren Holzschuhe, die auf drei charakteristischen Pflöcken ruhen, um den Träger über den feuchten Boden der nordspanischen Wiesen zu heben. Oder die Arbeit mit dem Azabache, dem tiefschwarzen Gagat aus der Jurazeit, das an der Küste von Villaviciosa gewonnen und seit Jahrhunderten von den Pilgern des Jakobswegs als Schutzstein geschätzt wird.
Wer Tim Bernhardt in Sorbas besucht, begreift, dass Kunsthandwerk immer auch eine Form der Resonanz ist. Die Verwendung von Agavenholz für den Bau von Musikinstrumenten erfordert eine Geduld, die sich dem Takt der modernen Industrie entzieht. Es geht um das Verständnis für die Faser, um das Wissen, wie viel Widerstand ein Material leisten muss, um am Ende zu klingen. Jedes Stück, das die Werkstatt verlässt, trägt die Carta de Artesano, das offizielle Siegel der Region, das eine Brücke zwischen der individuellen Meisterschaft und der staatlichen Anerkennung schlägt.
Das Programm Tejiendo Cultura trägt diesen Geist schließlich in die Schulen. Hier geht es nicht um die Produktion von Waren, sondern um die Schulung der Wahrnehmung. Wenn Kinder lernen, wie Naturkosmetik angerührt oder Stein behauen wird, erfahren sie eine Unmittelbarkeit, die in einer digitalisierten Welt selten geworden ist. Es ist die schlichte Erkenntnis, dass die Welt formbar bleibt, solange es Hände gibt, die sie verstehen.