Die Krankheit, die die junge Emiraterin heimsuchte, ist ein tückischer Gegner. Bei der IgG4-assoziierten Erkrankung gerät die körpereigene Abwehr so sehr aus dem Gleichgewicht, dass sie gesundes Gewebe in starres Narbenmaterial verwandelt. Organe wie die Bauchspeicheldrüse oder die Speicheldrüsen schwellen an, als trügen sie Tumore in sich, während das Immunsystem blindlings gegen den eigenen Wirt wütet. Bisher blieb den Ärzten oft nur der Griff zu hochdosiertem Cortison – eine Behandlung, die den Körper zwar beruhigt, ihn aber gleichzeitig mit schweren Nebenwirkungen schwächt und das Leiden oft nur vertagt.
Dr. Al-Naqbi, Leiter der Rheumatologie bei Seha, entschied sich für einen anderen Weg. Sobald die amerikanische FDA den biologischen Wirkstoff Inebilizumab für dieses seltene Krankheitsbild freigab, handelte sein Team. Anstatt das gesamte Immunsystem pauschal niederzuhalten, setzt dieser Antikörper an der Wurzel an: Er sucht gezielt nach den B-Zellen, die das Protein CD19 tragen, und entfernt genau jene Akteure, die die Entzündungswelle vorantreiben.
Es ist eine Behandlung der leisen Töne. Während der Infusion im Tawam Hospital herrschte eine Atmosphäre der konzentrierten Erleichterung. Dr. Al-Naqbi beobachtete den Vorgang mit jener ruhigen Aufmerksamkeit, die er seinen Patienten seit Jahren widmet. Es war das erste Mal, dass diese Therapie im Mittleren Osten zur Anwendung kam – ein Moment, in dem die Distanz zwischen globaler Forschung und dem Einzelschicksal in Al Ain verschwand.
Heute kehrt die Patientin nur noch zur regelmäßigen Kontrolle in die Klinik zurück. Die massiven Entzündungen sind abgeklungen, das Gewebe kommt zur Ruhe. Für die junge Frau bedeutet dieser Erfolg weit mehr als eine medizinische Statistik; es ist die Gewissheit, dass ihr Körper nicht länger ein Schlachtfeld ist, auf dem sie selbst zur Fremden wird.