Die Geburt dieses Tieres ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer weiten Reise. Erst im Juni 2023 waren 16 Südliche Breitmaulnashöhner aus Südafrika eingeflogen worden, um jene Lücke zu füllen, die Wilderei und Krieg hinterlassen hatten. Man hatte sie in einer aufwendigen Logistik über 3.400 Kilometer hinweg transportiert — erst in einer Boeing 747, dann in kleineren Maschinen, die auf einer einfachen Erdpiste inmitten des Parks aufsetzten. Dass nun, nach der rund sechzehnmonatigen Tragzeit, ein gesundes Kalb im Gras steht, beweist, dass die Gruppe in der Fremde eine Heimat gefunden hat.

Für die Menschen in Garamba, wie den Direktor Milan Ngangay Yves, bedeutet dieser Anblick eine tiefe Genugtuung. Während die nördliche Unterart des weißen Nashorns in dieser Region seit 2006 als ausgestorben gilt, stellt die Ansiedlung der südlichen Verwandten einen Versuch dar, das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen. Als Mega-Herbivoren halten die Tiere das Gras kurz und schaffen so natürliche Brandschneisen, die den Fortbestand kleinerer Arten sichern.

Die Geschichte des Parks ist eine der Extreme. In den 1960er Jahren weideten hier noch fast 1.000 Nördliche Breitmaulnashörner, bevor Milizen wie die Lord’s Resistance Army den Bestand bis auf den letzten Bullen dezimierten. Die Nachricht von der Geburt erreicht die Ranger in einer Zeit der Trauer; erst vor wenigen Tagen verloren sieben ihrer Kollegen im fernen Upemba-Nationalpark bei einem Angriff ihr Leben. Doch die Arbeit in Garamba geht weiter, gestützt auf Flugüberwachung und die ständige Präsenz der Wildhüter am Boden.

Wenn das Kalb nun durch die Galerie-Wälder und Marschlande zieht, ist es mehr als nur ein biologischer Erfolg. Es ist die Rückkehr einer Beständigkeit, die nur durch das beharrliche Handeln jener Menschen möglich wurde, die sich weigerten, die Savanne dem Schweigen zu überlassen.