Draußen vor den Mauern der Klinik in Tunis herrscht das geschäftige Treiben einer modernen Metropole, doch im Inneren, am Vormittag des 11. November, zählte nur die Bewegung im Millimeterbereich. Gemeinsam mit der Anästhesistin Dr. Alia Jebri operierte Nouira eine 38-jährige Frau; es galt, eine erkrankte Gallenblase zu entfernen. Was früher weite Schnitte und lange Genesungszeiten bedeutete, wurde hier durch das leise, fast unhörbare Surren der vier Roboterarme des südkoreanischen Revo-i-Systems ersetzt.

Nouira hatte sich zuvor in Südkorea auf diesen Moment vorbereitet, hatte die Mechanik studiert, bis sie ihm so vertraut war wie sein eigenes Skalpell. Die Technik, entwickelt von der Meere Company, erlaubt es dem Chirurgen, Instrumente mit einer Bewegungsfreiheit von 360 Grad zu führen – eine Geschmeidigkeit, die dem menschlichen Handgelenk verwehrt bleibt.

Das Krankenhaus trägt den Namen von Charles Nicolle, jenem französischen Forscher, der 1928 den Nobelpreis erhielt, weil er hier in Tunis die Übertragung des Fleckfiebers entschlüsselte. Es ist ein Ort, an dem der Kampf gegen das Leiden Tradition hat. Dr. Nouira führt diese Tradition nun mit Mitteln des 21. Jahrhunderts fort. Seit jenem ersten Eingriff hat sein Team bereits 20 weitere Operationen durchgeführt, darunter komplexe Tumorresektionen am Dickdarm.

Sein Ziel ist fest umrissen: 150 Eingriffe pro Jahr sollen zur Routine werden. Doch es geht ihm um mehr als Zahlen oder technisches Prestige. Nouira plant die Gründung eines nationalen Ausbildungszentrums direkt am Charles-Nicolle-Hospital. Er sieht in dem Roboter nicht nur ein Werkzeug, sondern eine Entlastung für den Menschen – für den Patienten, der das Krankenhaus schneller verlassen kann, und für den Chirurgen, dessen Hand durch die Maschine eine unerschütterliche Ruhe gewinnt.

Am Ende des ersten Eingriffs, als die Patientin bereits ruhig atmete und die Instrumente verstummten, war es nicht der Stolz auf die Technik, der im Raum stand, sondern die Gewissheit, dass ein Handwerk sich verfeinert hat, um dem Leben besser zu dienen.