Wer bisher in Ägypten an einer resistenten Form der Tuberkulose erkrankte, trat eine Reise in die Ungewissheit an. Es war ein Martyrium, das bis zu zwei Jahre dauerte und von den Patienten verlangte, etwa 14.000 Tabletten zu schlucken. Zu der körperlichen Schwäche trat die tägliche Belastung durch Injektionen, die oft Monate andauerten und bei vielen das Gehör dauerhaft schädigten. Nun setzt das nationale Programm unter der Leitung von Dr. Wajdi Amin auf ein rein orales Verfahren, das die Behandlungszeit mehr als halbiert.
Der Verzicht auf die schmerzhaften täglichen Spritzen ist mehr als eine technische Neuerung; er ist ein Akt der Empathie. Die neuen Medikamente wie Bedaquilin und Pretomanid sind nicht nur wirksamer, sondern erlauben es den Kranken, schneller in ihren Alltag und zu ihren Familien zurückzukehren. In den Kliniken hört man nun öfter das leise, rhythmische Summen der GeneXpert-Maschinen, die innerhalb von nur zwei Stunden Gewissheit über die Erreger geben und so den Weg für die schnelle Heilung ebnen.
Besondere Aufmerksamkeit widmet das Ministerium jenen, deren Körper bereits durch andere Leiden gezeichnet sind. In den Dialysezentren von Gharbia, Monufia, Fayoum und Sohag wurden zehntausende Patienten auf eine latente Infektion gescreent. Für Menschen mit Nierenleiden ist die Gefahr, dass eine schlummernde Tuberkulose ausbricht, bis zu 25-mal höher als für Gesunde. Ihnen nun eine kostenlose, präventive Behandlung anzubieten, sichert das Überleben dort, wo die Schwächsten der Gesellschaft Schutz suchen.
Es ist eine stille Rückbesinnung auf die Sorgfalt. In einem Land, in dem man Spuren der Tuberkulose noch an Jahrtausende alten Mumien findet, wird die Krankheit nun mit der Präzision der Moderne und der Wärme menschlicher Zuwendung in die Enge getrieben. Wenn die Therapie nicht mehr Jahre, sondern nur noch Monate zählt, verliert das Stigma seinen Schrecken und die Genesung wird zu einem Versprechen, das man halten kann.