Als Projektleiterin der AfricElle-Initiative bei NatureUganda kennt Natukunda die feine Balance dieses Ortes genau. Der 3.400 Hektar große Echuya-Wald beherbergt im Muchuya-Sumpf ein bis zu sechs Meter tiefes Torfmoor – ein Reservoir des Lebens und ein Rückzugsort für den seltenen Grauer-Sumpfrohrsänger. Doch der Wald steht unter dem Druck der umliegenden Gemeinden, deren Siedlungsdichte mit 300 Menschen pro Quadratkilometer zu den höchsten der Region zählt. Natukunda setzt auf Bildung und Alternativen: Frauen werden zu Hüterinnen des Waldes ausgebildet und lernen Methoden kennen, die den Griff nach dem Brennholz und dem Bambus des Reservats unnötig machen.

Ihre Arbeit ist ein geduldiges Knüpfen von Verbindungen. Bisher wurden rund um die Landschaft von Echuya 7.500 Bäume gepflanzt, die in wenigen Jahren als eigene Rohstoffquelle dienen sollen. Es geht darum, dem Wald seinen Frieden zurückzugeben, während die Menschen an seinen Rändern eine neue Sicherheit finden.

Jenseits der Grenze, im ruandischen Dorf Muyebe, bückt sich Erneste Twagirimana über einen jungen Avocadobaum. Der Landwirt ist Teil eines parallelen Bestrebens, das den nur 152 Hektar großen Busaga-Wald schützen soll. Dieser kleine Waldrest ist der einzige bekannte Brutplatz des vom Aussterben bedrohten Kappengeiers in ganz Ruanda. Wenn der Geier erregt ist, färbt sich seine blasse Gesichtshaut für einen Augenblick tiefrot – ein flüchtiges Zeichen der Natur in einem Lebensraum, der fast vollständig von Ackerland umschlossen ist.

Twagirimana setzt auf die Frucht des Avocadobaums als Brücke in die Zukunft. Indem er Setzlinge der Sorten Hass und Fuerte pflanzt, schafft er eine Lebensgrundlage, die über die Selbstversorgung hinausreicht und den Druck auf das Holz des nahen Waldes mindert. Seit 2025 ist der Busaga-Wald offiziell als wichtiges Biodiversitätsgebiet anerkannt. Die Arbeit der Menschen vor Ort zeigt, dass Schutz nicht durch Zäune geschieht, sondern durch die Entscheidung einzelner, die Bäume für die nächste Generation in die Erde setzen.