Als Direktor des PatriNat-Zentrums leitete Touroult den landseitigen Teil einer mehrjährigen Forschungsreise, die nicht in ferne Tropen führte, sondern in die vertrauten Landschaften Frankreichs. Von 2019 bis 2021 durchkämmten Wissenschaftler die Insel, von der staubigen Küste der Agriaten bis in die alpinen Höhen des Asco-Tals. Ihr Ziel war die sogenannte vernachlässigte Biodiversität: Insekten, Spinnen und wirbellose Tiere, die zwar 95 Prozent der tierischen Vielfalt ausmachen, im öffentlichen Bewusstsein aber meist hinter größeren Wirbeltieren zurückstehen.

In den nun veröffentlichten Ergebnissen tritt eine Welt ans Licht, die bisher im Verborgenen blieb. Zu den Neuentdeckungen zählt ein besonderer Nachtfalter, der Korsische Kiefernschwärmer. Sein Name, Hyloicus corsica, bindet ihn für immer an die dunklen Schwarzkiefernwälder der Insel, in denen er sich über Jahrtausende spezialisiert hat.

Die Arbeit der Taxonomen gleicht einer detektivischen Spurensuche. Oft lassen sich die winzigen Unterschiede zwischen zwei Arten mit dem bloßen Auge kaum erfassen. Erst im Labor, durch den Vergleich von DNA-Sequenzen, offenbart sich die Einzigartigkeit eines Exemplars. So gelang auch der Erstnachweis der Schwebfliege Lejops vittatus für das korsische Territorium, ein kleiner Sieg der Genauigkeit über das Ungefähre.

Für Touroult ist diese Inventur kein Selbstzweck. Die Daten fließen unmittelbar in das Nationale Naturerbe-Inventar ein und dienen den Verwaltern der Schutzgebiete als Kompass für ihre tägliche Arbeit. Es ist ein Akt der Beständigkeit: In einer Welt des raschen Wandels haben diese Forscher einen festen Ankerpunkt gesetzt und dokumentiert, was heute lebt, um es für die Zukunft greifbar zu machen. Die Stille der Wälder und die unzähligen kleinen Lebensformen darin haben nun einen Namen und einen Platz in den Annalen der Wissenschaft erhalten.