In den Dörfern des asturischen Nordens, wo das Handwerk seit Generationen mit dem schwarzen Gagat-Gestein und dem Schnitzen schwerer Holzschuhe verwurzelt ist, öffnete sich in diesem Frühjahr ein Fenster zu einer vollkommen anderen Welt. Die Einladung der Asociación Cultural Mercado Ecológico y Artesano führte Menschen aus den indigenen Gemeinschaften des Amazonas – darunter Vertreter der Awajún und Shipibo-Konibo – nach Spanien, um ihre Art der Weltbetrachtung mit den lokalen Meistern zu teilen.
Es war ein Austausch der Materialien und der Geduld. Während die Asturier ihre Madreñas aus Kastanienholz formen, zeigten die Gäste aus Südamerika, wie sie Chambira-Palmfasern verweben oder Huayruro-Samen in filigranen Schmuck verwandeln. Besonders ein Moment blieb den Beobachtern im Gedächtnis: Wenn das rohe Baumharz auf die noch glühende Keramik gestrichen wird und unter der Restwärme zu einer wasserdichten Glasur schmilzt, verbreitet sich ein herber, fremder Duft in den Steinmauern der kantabrischen Werkstätten.
Das Programm „Tejiendo Cultura“ (Kultur weben) trug diese Begegnungen weit über die Ausstellungsräume hinaus. In ländlichen Schulen und kleinen Gemeindezentren saßen Kinder neben Frauen aus dem Amazonas, um die ersten Knoten in Techniken zu knüpfen, die auf der anderen Seite des Ozeans seit Jahrtausenden überdauert haben. Es ging nicht um die Produktion von Souvenirs, sondern um das Verständnis für eine Arbeit, die Zeit als Werkzeug begreift.
Hinter der Organisation standen 72 Partnerorganisationen, die erkannten, dass das Handwerk eine der letzten universalen Sprachen ist. In einer Welt der flüchtigen digitalen Bilder boten die Wochen in Asturien etwas Greifbares: die Erfahrung, dass ein Mensch im fernen Peru die Natur mit derselben Sorgfalt und Ehrfurcht in Form gießt wie ein Schmied oder Weber in den Bergen Nordspaniens.