Die Kollektion heißt Woven by Nature. Sidletskyi, der sein Label 2020 gegründet hat, entwarf weite Teile, die Prothesenschäfte aufnehmen, ohne zu spannen. Neu waren in dieser Saison die austauschbaren Prothesenhüllen mit Naturmotiven, abgestimmt auf die Textilien. Gefertigt hat sie nicht das Modehaus, sondern Timelapse, ein Unternehmen des früheren Gefechtssanitäters Hlib Bjeschkarjew — ein Veteran, der Prothesen für Veteranen gestaltet.

Die Models kamen aus einem Kiewer Zentrum für Prothetik und Rehabilitation, das die Chirurgin Oleksandra Mostepan 2023 aufgebaut hat. Als die Invasion begann, arbeitete sie in einem Krankenhaus in Monte Carlo; sie kehrte zurück und operierte viele derer, die heute dort behandelt werden. Anpassung, Physiotherapie, psychologische Begleitung und beruflicher Wiedereinstieg finden unter einem Dach statt, für Soldaten wie für Zivilisten.

Mykola Kowaljow, 22, verlor beide Beine bei Kämpfen im Gebiet Sumy. „Dort mussten wir zerstören. Hier erschaffen wir", sagte er nach der Schau. Und: „Es ist Kunst — etwas, das uns eine Ressource gibt, während der Krieg sie genommen hat." Olga Dolga, 30, stand als Einzige ohne Uniformvergangenheit auf dem Laufsteg; ihr Bein blieb in einem Geschäft in Dobropillja, das eine russische Bombe traf.

Die Fashion Week selbst ist eine Rückkehrerin. Iryna Danylewska gründete sie im November 1997; im Februar 2022 endete der Betrieb, im September 2024 nahm sie ihn in Kiew wieder auf. Gezeigt wird unter Luftalarmbedingungen, die Veranstaltungsorte werden auch nach ihren Schutzräumen ausgewählt.

Für die Modelle war der Abend weniger eine Bühne als eine Rückkehr in die sichtbare Zivilgesellschaft — nicht im Behandlungsraum, sondern dort, wo Menschen angeschaut werden, weil sie gut aussehen. „Es ist bequem und trotzdem stilvoll", sagte Scharkij über die Kleidung. Er will nun eine eigene Marke für Amputierte gründen.

„Wir müssen das Thema Inklusion sichtbar machen, weil so viele Gliedmaßen verloren haben." — Olga Dolga