Wer in Tambul lebt, auf über 2.200 Metern Höhe im Schatten des erloschenen Vulkans Mount Giluwe, ist an die Härte der Landschaft gewöhnt. Doch für eine werdende Mutter bedeutete diese Abgeschiedenheit eine Reise der Ungewissheit. 55 Kilometer trennen die Siedlung von der Provinzhauptstadt Mt. Hagen – eine Strecke, die auf den offenen Pritschen der lokalen Public Motor Vehicles zurückgelegt werden muss, während der Körper bereits im Ausnahmezustand ist.
Philip Talpa, der Distrikt-Verwalter, erinnert sich an die Leere, die hier herrschte: Wo heute ein festes Gebäude steht, gab es früher schlicht nichts. Wenn eine Frau Glück hatte, erreichte sie nach einer halben Stunde Fahrt die nächste Notunterkunft; wenn nicht, blieb nur das Dorf. In einem Land, das die höchste Müttersterblichkeit im Pazifikraum verzeichnet, war diese Distanz oft die Grenze zwischen Leben und Tod.
Die Veränderung kam mit der Präzision eines Bauplans. Mit Unterstützung der Asiatischen Entwicklungsbank und Australiens wurden die morschen Holzbaracken gegen permanente Stationen ausgetauscht. Das neue Zentrum in Tambul ist kein Provisorium mehr: Es verfügt über Solaranlagen für konstantes Licht, fließendes Wasser und eigene Kreißsäle. Ein digitales Informationssystem erfasst nun jene Daten, die früher im Staub der Highlands verloren gingen.
Als Kala Nikindi ihr drittes Kind erwartete, blieb das gewohnte Zittern vor der Abfahrt aus. Sie musste sich nicht mehr auf eine schwankende Ladefläche hieven lassen, um die medizinische Sicherheit der Stadt zu suchen. Die Sicherheit war zu ihr gekommen. In der Stille der neuen Station, weit weg vom Lärm der Fernstraßen, konnte sie ihr Kind in dem Wissen empfangen, dass die Geografie ihres Heimatortes kein Todesurteil mehr darstellt. Es ist die Überwindung der Distanz durch Menschlichkeit – ein kleines Haus auf einem Berg, das einer ganzen Gemeinschaft die Furcht nahm.