Die Cucapá, die sich selbst als „Menschen des Flusses“ bezeichnen, zählen heute kaum noch 400 Seelen. Ihr Alltag ist geprägt von einer geografischen Einsamkeit, die sich auch in ihren Gesundheitsdaten widerspiegelt. Eine aktuelle Untersuchung, geführt von Forschungsteams der San Diego State University und der Universidad Autónoma de Baja California, dokumentiert ein tiefgreifendes Versäumnis: Die überwiegende Mehrheit der jungen Frauen und Jugendlichen ist nicht gegen das Humane Papillomvirus (HPV) geimpft. Es sind nicht allein die 57 Kilometer bis zu den Kliniken von Mexicali, die den Weg versperren, sondern eine Barriere aus Sprache und kultureller Distanz.

In den Gesprächen mit zwanzig Müttern und lokalen Gesundheitshelfern vor Ort ging es den Forschern nicht um die kühle Erhebung statistischer Defizite. Sie suchten nach dem Moment, in dem die staatliche Fürsorge den Faden verlor. Der Geruch von trockenem Schlamm am Ufer des versiegenden Stroms begleitete die Interviews, in denen deutlich wurde, dass herkömmliche Aufklärungsprogramme die Cucapá nie wirklich erreicht haben.

Dass eine staatliche Universität aus Kalifornien und ihr mexikanisches Pendant sich über Grenzen hinweg zusammenschließen, um einer Gruppe Gehör zu verschaffen, deren Sprache nur noch von weniger als 100 Menschen gesprochen wird, zeugt von einer stillen, aber beharrlichen Verantwortung. Es ist der Versuch, medizinische Prävention in eine Form zu gießen, die den Menschen in El Mayor ihre Würde belässt.

Die Ergebnisse dieser Feldforschung dienen nun als Grundlage für mobile Impfbrigaden und Informationsmaterialien, die erstmals die sprachlichen Eigenheiten der Region berücksichtigen. Wo bisher nur die flirrende Hitze des Deltas und das Schweigen der Institutionen herrschten, wächst nun ein Bewusstsein für den Schutz der nächsten Generation.