In einer Landschaft, die jährlich weniger als 400 Millimeter Regen sieht, ist das Überleben ein mühsames Handwerk. Die Mangrovenwälder von Musichi und Bahía Hondita sind keine üppigen Dschungel, sondern zähe Grenzgänger. Besonders die Schwarze Mangrove, die Avicennia germinans, hat sich perfekt an diese Härte angepasst: Ihre Blätter sind oft von einer feinen Schicht weißer Salzkristalle überzogen, die das überschüssige Salz aus ihrem Inneren ausscheiden und in der unbarmherzigen Mittagssonne wie Diamantstaub funkeln.
Doch dieses natürliche Bollwerk gegen die Erosion geriet ins Wanken. Verstopfte Kanäle und jahrzehntelange Holzentnahme für die Köhlerei schwächten die Bestände. Unter der Leitung von Corpoguajira und lokalen Organisationen wie den Guardianes de Ambiente y Paz Aimajushi begann eine stille Rückeroberung. Es wurden nicht nur Samen gesammelt und Baumschulen errichtet, sondern vor allem die Wege des Wassers befreit. Das Team säuberte die Kanäle von Sedimenten, damit die Gezeiten den Wald wieder atmen lassen können.
Die Bedeutung dieses Vorhabens liegt weniger in der schieren Fläche als in der Verantwortung. Die Mitglieder der Asomanglares und andere lokale Gruppen wurden in den Räumen der Umweltbehörde in administrativen Dingen geschult, um die Projekte langfristig selbst zu führen. Es ist die Verwandlung von Empfängern einer Hilfe zu Hütern eines Ökosystems.
In den Distrikten von Riohacha bis Uribia stehen nun hölzerne Hinweisschilder an den regenerierten Flächen. Sie wirken fast unscheinbar gegenüber der Weite des Ozeans, doch sie markieren eine Entscheidung. Wenn die Flut nun durch die gesäuberten Wasserläufe steigt, trifft sie auf junge Wurzeln, die den Boden festhalten. Die Menschen, die sie gepflanzt haben, wissen nun, dass der Schutz des Waldes untrennbar mit ihrem eigenen Schutz vor den Stürmen der Karibik verbunden ist.