Für die Forscherin sind diese Samen weit mehr als bloßes genetisches Material; sie sind lebendige Zeugen einer Kultur, die bereits vor 30.000 Jahren Mehl aus Känguru-Gras mahlte, lange bevor der erste europäische Weizen den australischen Boden berührte. Sedran-Price hat es sich zur Aufgabe gemacht, gemeinschaftlich geführte Saatgutbanken als vorderste Verteidigungslinie gegen den Klimawandel zu etablieren. Ihr Ansatz stellt sicher, dass Pflanzen, die für die Identität und Ernährung der Aborigines zentral sind, nicht in den Statistiken der Erderwärmung untergehen.
Gemeinsam mit Jacob Birch von der Universität von Queensland erhielt sie nun die Anerkennung der nationalen Akademie. Während Birch die Agronomie indigener Getreidesorten untersucht, webt Sedran-Price ein Netzwerk, das wissenschaftliche Präzision mit der Obhut der Gemeinschaften vor Ort verknüpft. Es ist der Versuch, eine Souveränität über die Natur zurückzugewinnen, die durch die Kolonialisierung und industrielle Landwirtschaft verloren ging.
Die wirtschaftliche Realität der australischen Wildpflanzen-Industrie ist bisher von einem Ungleichgewicht geprägt: Obwohl der Markt jährlich Millionen umsetzt, liegt der Anteil indigener Produzenten an der Lieferkette bei weniger als zwei Prozent. Die Arbeit von Sedran-Price zielt darauf ab, dieses Gefüge zu verschieben, indem sie Bildung und Anbau direkt in die Hände derer legt, deren Vorfahren dieses Land über Jahrtausende kultivierten.
Später in diesem Jahr werden Experten aus Neuseeland und Kanada nach Australien reisen, um im Rahmen einer Tri-Academy-Partnerschaft von diesen Modellen zu lernen. In der Stille der Saatgutbanken von Sydney wird so an einer Antwort auf die globalen Krisen gearbeitet, die ihre Wurzeln in der tiefsten Vergangenheit des Kontinents findet.