Als Joel aufwuchs, sah er zu, wie die Wälder im Osten Ugandas den Zuckerrohrfeldern weichen mussten. Er verstand früh, dass mit den Bäumen auch die Vielfalt des Lebens und die Sicherheit der Gemeinschaft schwand. Im Jahr 2019 begann er, dieses Schweigen der Natur zu brechen. Zusammen mit der Umweltpädagogin Mary Mukyaala und dem Agronomen Mutungi Trevor gründete er eine Initiative, die das Klassenzimmer ins Freie verlegt. Inzwischen betreut sein Team 60 öffentliche Schulen in den Distrikten Namutumba, Kiboga und Kalangala.
Das Konzept ist so schlicht wie wirkungsvoll: Auf dem Gelände der Schulen entstehen Baumschulen und Nutzwälder. Die Kinder ziehen Setzlinge einheimischer Arten, pflanzen Obstbäume und kultivieren Heilkräuter. Diese Gärten dienen nicht nur der Lehre, sondern füllen eine schmerzhafte Lücke im ugandischen Alltag. Da der Staat keine Schulmahlzeiten finanziert, leiden viele Kinder unter Hunger, wenn ihre Eltern das Essen für den Tag nicht aufbringen können. Die schuleigenen Wälder liefern nun die Nahrung, die für Konzentration und Wachstum unerlässlich ist.
In Kalangala, wo die Landschaft durch den industriellen Anbau von Palmöl geprägt ist, lehrt die Initiative die Bauern eine neue Form der Agroforstwirtschaft. Es geht darum, die zerstörerische Kraft der Monokulturen durch Vielfalt zu ersetzen. Unter den gepflanzten Bäumen befindet sich auch der Afrikanische Grenadill, ein langsam wachsendes Wunder der Natur. Sein Holz ist so dicht und schwer, dass es im Wasser nicht treibt, sondern wie ein Stein zum Grund sinkt. Es dauert sieben Jahrzehnte, bis ein solcher Baum ausgewachsen ist – ein Zeitraum, der weit über das Leben der Kinder hinausreicht, die ihn heute in die Erde setzen.
Dieser Wille zur Beständigkeit hat nun internationale Anerkennung gefunden. Die Aufnahme der Initiative in das Netzwerk des Global Landscapes Forum (GLFx) sichert Joel und seinem Team den Zugang zu globalem Wissen und notwendigem Startkapital. Für Ngobi Joel ist es die Bestätigung eines Weges, den er im Stillen begann: Er gibt der nächsten Generation nicht nur Nahrung, sondern das Handwerkszeug, ihre eigene Umwelt mit Geduld und Sachverstand zurückzufordern.