Als Merci Lewis vor einem Jahr die Türen des Laichwiltach Community Health Centre öffnete, ging es um weit mehr als um die Bereitstellung von medizinischem Personal. Es war der Versuch, eine tiefe, fast ein Jahrhundert alte Wunde zu schließen. Lange mied die indigene Bevölkerung der Region die staatlichen Kliniken, geprägt von der Erfahrung, im Moment der größten Not auf Unverständnis oder offene Ablehnung zu stoßen. Ein umfassender Bericht hatte zuvor das Ausmaß dieser systemischen Barrieren in British Columbia offengelegt.
Heute begegnen sich in den Behandlungsräumen zwei Welten, die sich lange fremd waren. Neben modernster Technik und fundierter Diagnostik ist der Rat der Ältesten und traditionellen Heiler fest in den Alltag integriert. Es ist eine Medizin der Nähe, in der ein Gespräch über die seelische Verfassung ebenso gewichtig ist wie die Messung des Blutdrucks. Das Team, zu dem Hausärzte, Pflegekräfte und Sozialarbeiter gehören, arbeitet Hand in Hand mit jenen, die das Wissen der Vorfahren bewahren.
Die Wirkung dieser neuen Form der Fürsorge lässt sich an den Gesichtern der Wartenden ablesen, aber auch an der Entlastung der örtlichen Notaufnahme. Wenn die Menschen wissen, dass ihre Kultur in der Klinik einen Platz hat, suchen sie Hilfe, bevor aus einer kleinen Sorge ein medizinischer Notfall wird. Es ist das leise Verrücken von Gewissheiten: Heilung beginnt hier mit dem Gefühl, sicher zu sein.
Lewis beobachtet oft eine Geste, die sie in ihrem Tun bestärkt: das ruhige Nicken eines Patienten, wenn er erkennt, dass seine Tradition hier nicht als Aberglaube, sondern als Kraftquelle verstanden wird. In Campbell River ist die Medizin menschlicher geworden, weil sie gelernt hat, zuzuhören.