In der Sekenani-Ebene stand jeder Mann für sich allein auf seinem Stück Erde, das oft nicht größer als ein paar Dutzend Hektar war. Die Zäune schützten zwar das Eigentum, aber sie erdrosselten das Leben. Nelson Ole Reiyia erkannte, dass seine Kultur und das Überleben der Tiere untrennbar miteinander verwoben waren. Gemeinsam mit Ric Carey und 63 weiteren Familien traf er eine Entscheidung, die dem Gesetz des Marktes widersprach: Sie unterzeichneten Verträge, um ihre individuellen Titel wieder in ein gemeinsames Erbe zu verwandeln. Sie nannten den Ort Nashulai – in der Sprache der Maa ein Wort für Harmonie und das feine Geflecht des Zusammenlebens.

Das Knipsen der Drahtschneider markierte den Beginn einer Rückkehr. Wo vorher Barrieren den Weg versperrten, öffneten sich nun wieder die Korridore für die große Wanderung. Die Maasai brachten die widerstandsfähigen Boran-Rinder zurück, die in kleineren, klug geführten Herden das Grasland regenerieren, statt es zu erschöpfen. Es ist eine Form der Seelsorge am Boden, bei der das Vieh nicht mehr als Konkurrent, sondern als Teil des Ökosystems begriffen wird.

Heute ist der Boden von Nashulai wieder weich vom Tritt tausender Hufe. In den letzten zehn Jahren wurden hier Hunderte Giraffen und tausende Gnus geboren; der Ort dient den Elefanten wieder als geschützter Platz für ihre Niederkunft. Doch die Heilung betrifft nicht nur die Natur. In einem kleinen Stories Café sitzen die Ältesten mit der Jugend zusammen, um das ökologische Wissen weiterzugeben, das fast im Lärm der Moderne verloren gegangen wäre.

Während Solarpumpen leise das Wasser aus der Tiefe holen und Frauen den Honig aus den Akazienwäldern ernten, zeigt sich der Erfolg in einer stillen Zahl: Über 6.000 Menschen finden in diesem neuen, alten Modell ihr Auskommen. Es ist die Erkenntnis eines Mannes, dass Freiheit nicht im Abgrenzen liegt, sondern im Niederlegen der Barrieren, die uns voneinander und von der Erde trennen.