Die IgG4-assoziierte Erkrankung ist ein Rätsel der modernen Immunologie, bei dem der Körper Entzündungen und tumorartige Schwellungen in Organen wie der Bauchspeicheldrüse oder den Speicheldrüsen hervorruft. Lange Zeit wurden diese Gewebemassen von Chirurgen für bösartige Tumore gehalten und fälschlicherweise operiert, bis Forscher im Jahr 2003 die gemeinsamen proteinbasierten Ursachen hinter diesen unterschiedlichen Symptomen entdeckten.
Bisher blieb den Betroffenen oft nur die dauerhafte Einnahme hochdosierter Steroide, die zwar die Entzündung dämpfen, aber den Organismus durch Nebenwirkungen wie Diabetes oder Knochenschwund belasten. Dr. Al-Naqbi, Leiter der Rheumatologie, entschied sich für einen präziseren Weg, nachdem die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA den Wirkstoff Inebilizumab für dieses spezielle Krankheitsbild freigegeben hatte.
Das Medikament, ein humanisierter monoklonaler Antikörper, fungiert wie ein präzises Werkzeug: Er bindet sich an das Antigen CD19 auf der Oberfläche von B-Lymphozyten und reduziert jene Immunzellen, welche die krankheitsverursachenden Antikörper produzieren. Es ist ein Eingriff in das feinjustierte Räderwerk des Körpers, der darauf abzielt, die Zerstörung von gesundem Gewebe zu stoppen, ohne das gesamte System zu schwächen.
Durch das Fenster des Krankenhauses fällt das weiche Licht auf die Gärten von Al Ain, während die Patientin ihre erste Behandlung erhielt. Nur wenige Monate nach der Zulassung konnte das Team um Dr. Al-Naqbi die Therapie im Nahen Osten verfügbar machen. Für die junge Frau bedeutet dieser Schritt mehr als nur eine medizinische Neuerung; es ist die Möglichkeit, ihr Leben in der eigenen Heimat fortzuführen, betreut von Ärzten, die sie nun in ihrer gewohnten Umgebung begleiten.