In einer Zeit, in der Kommunikation oft in Lichtgeschwindigkeit über Glasfaserkabel rast, erinnert uns die Arbeit des Netzwerks Deafblind International (DbI) an die älteste und unmittelbarste Form menschlicher Verbindung: die Berührung. Wenn sich Fachkräfte aus Ländern wie Deutschland, Italien und Schweden zusammenschalten, geht es nicht um abstrakte Theorie, sondern um das physische Handwerk des Verstehens. Sie teilen Techniken wie das Lorm-Alphabet, bei dem jeder Buchstabe einer präzisen Stelle auf der Handfläche zugeordnet ist – ein System, das der Schriftsteller Hieronymus Lorm einst ersann, um aus der vollkommenen Isolation seiner eigenen Taubblindheit auszubrechen.

Die Kampagne „LET ME IN“ verdeutlicht, dass Bildung für Kinder mit dieser doppelten Sinnesbehinderung kein Privileg, sondern eine Notwendigkeit ist. Oftmals bleiben sie am Rande der Gesellschaft zurück, nicht aus Mangel an Lernwillen, sondern weil die Brücke zu ihnen noch nicht geschlagen wurde. Die Praktiker des Netzwerks setzen hier an, indem sie die Welt für ihre Schüler spürbar machen.

Neben dem Lormen nutzen die Spezialisten Methoden wie die Tadoma-Technik, bei der ein taubblinder Mensch seine Hand so auf das Gesicht des Sprechers legt, dass er die Vibrationen der Stimmbänder und die Bewegung der Lippen fühlen kann. Es ist ein Akt von höchster Intimität und Konzentration. In den kleinen Arbeitsgruppen der Organisation wird deutlich, dass Kommunikation hier eine ko-kreative Leistung ist: Man erschafft gemeinsam einen Raum aus Zeichen und Gegendruck.

Unter der Leitung von Präsident Mirko Baur hat sich das DbI das Ziel gesetzt, diese spezialisierten Kenntnisse über nationale Grenzen hinweg fließen zu lassen. Ob es die sozial-haptische Kommunikation ist, bei der Umgebungsgeräusche durch Berührungen am Rücken vermittelt werden, oder der Einsatz von Braille-Displays – jedes Werkzeug dient demselben Zweck. Es geht darum, das Schweigen zu brechen, Buchstabe für Buchstabe, auf der bloßen Haut.