In den vergangenen Wintermonaten wurden die Eier in den kühlen Hallen der Station in Hunchun behütet, fernab der Strömung, die einst durch Verschmutzung und Überfischung für den Nachwuchs der Ketalachse lebensfeindlich geworden war. Nun, da das Thermometer stabil über fünf Grad Celsius gestiegen ist, erreicht die Verwandlung ihr Ziel. Jeder dieser Wanderer ist kaum fünf Zentimeter lang und wiegt etwa 1,5 Gramm – eine Winzigkeit von Leben, die man in der hohlen Hand kaum spüren würde.
Bevor die Fische die dunkle Tiefe des Flusses erreichten, markierten die Spezialisten einen Teil der Brut, indem sie die winzige Fettflosse kürzten. Dieser stille Eingriff ist die einzige Botschaft, die sie den Tieren mitgeben: Wenn sie in drei oder vier Jahren als ausgewachsene Lachse zurückkehren, wird dieses Merkmal den Forschern verraten, dass sie aus den schützenden Tanks der Station stammen.
Die Geografie stellt diesen Tieren eine besondere Aufgabe. Um das offene Meer zu erreichen, müssen sie eine Strecke von 15 Kilometern zurücklegen, in der der Tumen nicht mehr chinesisch ist, sondern die Grenze zwischen Russland und Nordkorea bildet. Es ist ein diplomatisches Paradoxon, dass ausgerechnet diese empfindlichen Wesen die ökologische Brücke zwischen Nationen schlagen, deren politische Beziehungen oft von Schweigen geprägt sind.
Sollten sie die Jahre im Nordpazifik überstehen, werden sie gegen die Strömung zurückkehren, bis zu 100 Kilometer flussaufwärts. Dann werden die Männchen ihre charakteristischen purpurfarbenen Streifen tragen – ein spätes Zeugnis für die Ausdauer des Lebens in einer Region, die lange Zeit nur den Ertrag, aber nie die Erneuerung im Blick hatte.