Die Tiere sind winzig, selbst für ihre Gattung: Weibchen messen zwischen 23,10 und 26,31 Millimetern, Männchen bleiben mit 19,17 bis 23,05 Millimetern darunter. Gesammelt wurden die Belegexemplare bei Expeditionen in den Jahren 2012 und 2016; die Beschreibung erschien nun in der Fachzeitschrift Zootaxa.
Dass hier überhaupt ein Frosch existieren kann, liegt an seiner Fortpflanzung. Die Familie der Strabomantidae kennt keine Kaulquappe. Die Weibchen legen wenige Eier an Land ab, und aus ihnen schlüpfen fertige, miniaturhafte Frösche. Kein Teich wird gebraucht, kein Bach — und genau deshalb lassen sich diese kalten, offenen Kuppen besiedeln, auf denen stehendes Wasser fast fehlt.
Die Cordillera del Cóndor ist kein gewöhnlicher Andenkamm. Ihre Sandsteintafeln tragen weißen Quarzsand und eine gestauchte, nasse Vegetation, die Botaniker eher an die Tepuis des Guayana-Schildes erinnert — mehr als tausend Kilometer entfernt — als an den Nebelwald wenige hundert Meter weiter unten. Lange blieb dieses Gebirge biologisch unbekannt, weil die Grenze zwischen Ecuador und Peru umstritten und militarisiert war. Erst nach dem Cenepa-Krieg von 1995 und dem Grenzabkommen von Brasília wurden Expeditionen möglich, und sie brachten in kurzer Zeit eine Fülle unbeschriebener Pflanzen, Frösche und Kleinsäuger zurück.
Der Name der neuen Art ehrt Katya Romoleroux, die ecuadorianische Botanikerin, die 2020 mit dem Nationalpreis Eugenio Espejo ausgezeichnet wurde. Die Gattung selbst, 2008 aufgestellt, trägt den Namen des US-Herpetologen John D. Lynch, der Jahrzehnte darauf verwandte, andine Regenfrösche zu beschreiben. Wer hier arbeitet, schreibt sich in eine Kette von Namen ein.
Das Schutzgebiet um den Gipfel besteht seit 2010. In derselben Provinz Zamora Chinchipe fördert seit 2019 die Kupfermine Mirador bei Tundayme im Tagebau, Ecuadors erstes großes Metallbergwerk; Konzessionen für Abbau und Exploration decken einen erheblichen Teil der Vorberge der Cordillera del Cóndor ab. Der Frosch ist beschrieben, kaum dass sein Berg vermessen ist.