Hinter diesem chirurgischen Eingriff steht die Lebensarbeit von Forschern wie Dr. Jun Takahashi. Er leitet die klinischen Studien für das Präparat Amchepry, eine Therapie, die das Schicksal von Menschen mit Parkinson lindern soll. Dabei werden reprogrammierte Zellen, sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS), in Dopamin produzierende Vorläuferzellen verwandelt. Diese werden direkt in das Putamen injiziert, um jene Funktionen zu übernehmen, die das Gehirn des Erkrankten längst aufgegeben hat. Bei den ersten sieben Patienten im Alter zwischen 50 und 69 Jahren zeigten sich bereits deutliche Verbesserungen der Bewegungsfähigkeit in jenen Phasen, in denen herkömmliche Medikamente versagten.
Dieser Moment der medizinischen Zulassung ist die späte Frucht einer Entdeckung aus dem Jahr 2006. Damals gelang es dem Nobelpreisträger Shinya Yamanaka erstmals, die biologische Uhr einer Zelle zurückzudrehen. Was als biologisches Wunder in den Laboren von Kyoto begann, ist nun, zwanzig Jahre später, ein behördlich anerkanntes Heilmittel geworden.
Parallel zu den Fortschritten in der Neurologie hat ein Team um den Herzchirurgen Yoshiki Sawa an der Universität Osaka einen Weg gefunden, das schwache Herz zu stärken. Anstatt das Organ durch eine riskante Transplantation zu ersetzen, werden hauchdünne Zellverbände – kaum 0,1 Millimeter dick und fast transparent – auf die Oberfläche des Herzmuskels appliziert. Diese unter dem Namen ReHeart geführten Gewebestücke schlagen nicht dauerhaft mit dem Herzen mit; stattdessen setzen sie Botenstoffe frei, die das kranke Organ dazu anregen, eigene, neue Blutgefäße zu bilden.
Die Zulassung durch das japanische Gesundheitsministerium erfolgte unter Auflagen. Es ist ein Vertrauensvorschuss in eine Technologie, die noch unter genauer Beobachtung steht. Takahashi selbst mahnt zur Geduld und betont, dass nun weitere großflächige Studien folgen müssen, um die Beständigkeit dieses Erfolgs zu beweisen. Doch für die ersten Patienten bedeutet es das Ende des Wartens auf eine Zukunft, die bisher nur in der Theorie existierte. Die Zellen haben ihren Weg vom Laborglas in den menschlichen Körper gefunden.