Bisher bedeutete die Diagnose einer Ösophagusatresie für ein Neugeborenes einen harten chirurgischen Eingriff. Wenn die Speiseröhre nicht weit genug gewachsen ist, um den Magen zu erreichen, müssen Chirurgen den Magen des Kindes weit nach oben in den Brustkorb ziehen oder Teile des Darms verpflanzen, um die Lücke zu überbrücken. Es sind Operationen, die zwar das Überleben sichern, aber oft ein Leben lang von Reflux, Atembeschwerden und der Notwendigkeit begleitender Eingriffe gezeichnet sind.
Das Team um Paolo De Coppi am Great Ormond Street Hospital hat nun einen Weg gefunden, dieses fehlende Bindeglied im Labor zu erschaffen. Sie nutzen dafür das Kollagengerüst einer Spenderröhre, die chemisch von allen fremden Zellen gereinigt wurde, bis nur noch eine leblose, weiße Matrix übrig blieb. In diese Struktur injizierten sie Stammzellen, die zuvor aus kleinen Muskel- und Bindegewebsproben gewonnen worden waren.
Über zwei Monate wuchs das Gewebe in einem Bioreaktor heran, der die mechanischen Kräfte des Schluckens durch steten Druck simulierte. Die Ergebnisse der ersten Versuchsreihe zeigen, dass das künstlich erschaffene Organ nicht nur stabil blieb, sondern sich vollständig in das Nervensystem integrierte. Fünf der untersuchten Probanden konnten nach der Heilungsphase vollkommen normal Nahrung zu sich nehmen.
In medizinischen Fachkreisen, besonders in Ländern wie Ägypten, wird diese Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Dort sehen Chirurgen in der neuen Methode eine Möglichkeit, nicht nur angeborene Defekte zu korrigieren, sondern auch Kindern zu helfen, deren Speiseröhre durch Krebserkrankungen oder Unfälle zerstört wurde. Es geht um die Wiederherstellung einer grundlegenden menschlichen Verrichtung: den schmerzlosen, selbstverständlichen Akt des Schluckens, der für diese Kinder bisher ein unerreichbares Privileg war.