Di Nucci arbeitet an der Ruta Nacional 12, wenige Kilometer vor dem Eingang des Nationalparks Iguazú. Das Refugium, Ende der neunziger Jahre für Vögel gegründet, die Autos, Stromleitungen und Händler verletzt hatten, trägt einen Guaraní-Namen: Güira Oga, Haus der Vögel. Hier entscheidet sich, welches Tier in die Quarantäne geht und welches weiterreisen darf — zum Wiederansiedlungsprogramm, das Aves Argentinas zusammen mit brasilianischen Partnern wie dem Parque das Aves in Foz do Iguaçu betreibt.
Wer die Untersuchung besteht, kommt in eine große Waldvoliere im Reservat Puente Verde auf der Halbinsel Andresito. Dort beginnt eine Schulung, die sich schwer in Worte fassen lässt: weite Strecken fliegen, heimische Dschungelfrüchte und Triebe als Nahrung erkennen, und — vielleicht das Schwierigste — die Scheu vor Menschen zurückgewinnen. Ein Vogel, der Hände mit Futter verbindet, überlebt draußen nicht lange.
Im vergangenen Dezember schlüpfte in Puente Verde ein Küken, das erste in Freiheit geborene seit Jahrzehnten. Die Leute des Projekts nannten es Julián. Es lebte einen Monat.
Die acht Vögel, die nun freikommen, tragen Sender. In den ersten Wochen dürfen sie nachts in die Voliere zurück, bis sie die Unabhängigkeit selbst wählen. Das Verfahren ist erprobt: In Corrientes hat die Fundación Rewilding Argentina ab 2015 Grünflügelaras in den Iberá-Park entlassen, nach über 150 Jahren Abwesenheit in Argentinien; 2020 schlüpften dort die ersten wilden Küken.
Große Papageien verbreiten die Samen von Palmen und anderen Fruchtbäumen. Verschwinden die Vögel, verschwindet diese Arbeit aus dem Wald — und niemand übernimmt sie. Die Organisatoren denken deshalb über die Provinzgrenze hinaus: Wenn sich die Population hält, könnten die Bestände in Misiones, Brasilien und Paraguay eines Tages wieder zusammenfinden.
Vorerst geht es um acht Tiere und um die Frage, ob ein Wald zurücknehmen kann, was ihm genommen wurde.