Lange Zeit war der Río Negro, der sich mächtig durch die trockene Steppe Patagoniens windet, ein Sorgenkind. An den Ufern von Viedma mussten die Bewohner oft zusehen, wie Strände gesperrt wurden, während Umweltaktivisten in symbolischen „Umarmungen des Flusses“ ein Ende der Verschmutzung forderten. Heute jedoch ist die Vision einer sauberen Strömung Realität geworden: Seit der Inbetriebnahme der neuen Kläranlage erreicht kein Tropfen ungeklärtes Wasser mehr das Flussbett.

Das Herzstück dieser Veränderung liegt fernab der Uferpromenaden auf einem kargen Plateau. Dort, wo der Wind über die Halbwüste streicht, wird das Abwasser von 100.000 Menschen in riesigen Becken biologisch gereinigt. Es ist ein Kraftakt der Logistik: Das Wasser muss mit enormem Druck bergauf gepumpt werden, weg vom fruchtbaren Tal, hin zu den 300 Hektar großen Stabilisierungsteichen, wo die Sonne und die Zeit das Werk der Reinigung vollenden.

Man spürt den Stolz in Iuds Ausführungen, wenn er von der finanziellen Unabhängigkeit spricht. Dass 75 Prozent der laufenden Kosten inzwischen durch eigene Einnahmen gedeckt werden, verleiht dem Projekt eine Beständigkeit, die über politische Zyklen hinausreicht. Es ist die Rückkehr zur Vernunft: Eine öffentliche Dienstleistung, die sich selbst trägt und gleichzeitig die Natur schont.

Das behandelte Wasser, das nun klar und geruchlos auf dem Plateau steht, wartet auf seine neue Bestimmung. In einer Region, in der jeder Tropfen kostbar ist, soll es bald zur Bewässerung von Weideflächen und Kulturen dienen. So schließt sich ein Kreis, der mit der Einsicht begann, dass Wohlstand nicht auf Kosten der Umwelt erkauft werden darf, sondern nur im Einklang mit ihr bestehen kann.