Diese persönliche Noterfahrung wurde zum Fundament einer Idee. Kyomugisha begriff, dass medizinische Exzellenz wertlos bleibt, wenn sie hinter einer Mauer aus Distanz und Armut verborgen liegt. Gemeinsam mit Arthur Musinguzi entwickelte sie ein Modell, das die Klinik zum Patienten bringt. In Regionen, in denen die nächste medizinische Station oft mehr als 25 Kilometer entfernt ist, lässt sie ausrangierte Stahlcontainer aufstellen, die zuvor tonnenschwere Fracht über die Weltmeere trugen.

Die aus dem kenianischen Hafen Mombasa herantransportierten Metallgehäuse werden in kleine, autarke Gesundheitszentren verwandelt. Auf den Dächern fangen Solarpaneele das Licht ein, um Mikroskope und Computer zu betreiben, während im Inneren eine Krankenschwester und ein Labortechniker aus der direkten Nachbarschaft arbeiten. Wenn die lokale Expertise an ihre Grenzen stößt, schaltet eine Telemedizin-Verbindung Fachärzte aus der fernen Hauptstadt Kampala hinzu.

Das Projekt, das den Namen Kaaro trägt – das Wort für „Dorf“ in der Sprache Runyankole –, zielt auf eine tiefe menschliche Beständigkeit ab. Die Kliniken werden nicht von oben herab verwaltet; das Geschäftsmodell sieht vor, dass die leitenden Krankenschwestern die Container innerhalb weniger Jahre durch ihre Arbeit vollständig erwerben. So entstehen keine bloßen Außenposten, sondern Eigentum und Verantwortung in den Händen lokaler Frauen.

Zuletzt richtete Kyomugisha ihren Blick auf die Ssese-Inseln im Viktoriasee. In diesem Archipel aus 84 Inseln sind die Bewohner oft auf teure Privatboote angewiesen, um das Festland für einfache Medikamente zu erreichen. Für sie entwickelte sie eine schwimmfähige, ökologisch angepasste Version der Container-Klinik. Es ist der Versuch, auch jenen Menschen die Würde einer erreichbaren Behandlung zurückzugeben, die das Wasser vom Rest der Welt trennt.