Was im Jahr 2006 als Nothilfe für die Opfer des Irakkriegs begann, hat sich zu einem Zentrum für die schwierigsten Fälle der modernen Kriegschirurgie entwickelt. Die Chirurgen in Amman — allesamt Fachkräfte aus Jordanien und dem Irak — behandeln Verletzungen, die in gewöhnlichen Krankenhäusern kaum bekannt sind: Splitterwunden, komplizierte Trümmerbrüche durch Explosionswellen und schwere Verbrennungen. Es ist eine Arbeit der langen Atemzüge; oft verbringen die Patienten Monate in dem Viertel Marka, während ihre Knochen in externen Fixateuren langsam wieder zueinander finden.
Die medizinische Herausforderung endet nicht beim Skalpell. Da viele Patienten aus überlasteten Lazaretten in Syrien, dem Jemen oder Palästina eintreffen, bringen sie oft hochresistente Keime mit. Ein eigenes Team für Antibiotika-Management und ein mikrobiologisches Labor müssen erst die Infektionen der Osteomyelitis besiegen, bevor die eigentliche Rekonstruktion beginnen kann. Erst wenn das Skelett gereinigt ist, beginnt der Aufbau des Neuen.
Die Heilung wird hier als ein Ganzes begriffen, das über das Physische hinausreicht. In den Werkstätten des Krankenhauses erlernen die Verletzten das Handwerk der Parfümherstellung oder das Frisieren, um nach ihrer Rückkehr eine Existenzgrundlage zu haben. Für die jüngsten Patienten gibt es ein Schulmodul, damit der Krieg nicht auch noch ihre Bildung raubt. Ein besonderes Detail dieser stillen Fürsorge findet sich im 3D-Labor: Dort fertigen Techniker transparente, passgenaue Gesichtsmasken an, die den Heilungsprozess von Brandwunden unterstützen, ohne die Mimik der Kinder vollständig zu verbergen.
Nach über 11.000 Eingriffen ist klar, dass unsere Arbeit für die nächsten zehn Jahre bereits vorgezeichnet ist.
Es ist die stille Beständigkeit von Menschen wie Marc Schakal und seinen Chirurgen, die dem Chaos der Region etwas entgegensetzt. Sie reparieren nicht nur Gliedmaßen; sie bewahren die Identität derer, die fast alles verloren hätten. Wenn ein Kind nach Monaten der Isolation in Amman zum ersten Mal wieder ohne Hilfe eine Treppe steigt, ist das kein medizinisches Wunder, sondern das Resultat akribischer, menschlicher Zuwendung.