Hier, in der Tiefe vor den Inseln Nusa Penida, Nusa Lembongan und Nusa Ceningan, arbeiten Männer und Frauen aus den umliegenden Dörfern als Gärtner eines unsichtbaren Reiches. Sie führen eine Bewegung fort, die einst als bescheidenes Experiment begann und nun, durch die Zusammenarbeit zwischen dem Coral Triangle Center und Marlyn Sumbung von Mars Symbioscience, eine neue Beständigkeit erfährt. Es ist ein Handwerk der Präzision: Die Taucher befestigen kleine Korallenfragmente an sechseckigen, mit Sand beschichteten Stahlrahmen, den sogenannten Reef Stars.
Diese Strukturen, rau und griffig unter den Fingerspitzen, geben den zerbrechlichen Lebewesen den nötigen Halt, um auf dem trümmerreichen Meeresboden wieder Fuß zu fassen. Wo früher nur loses Geröll im Rhythmus der Gezeiten rollte und junges Leben zermahlte, schafft das künstliche Geflecht nun Ruhe. Ein Team von nur vier Tauchern vermag es, an einem einzigen Tag bis zu 500 dieser Einheiten zu verbinden – ein mechanisches Skelett, das darauf wartet, von der Natur überwachsen zu werden.
Die Bedeutung dieses Vorhabens reicht über die bloße Wiederaufforstung hinaus. Es ist die Entscheidung, das Wissen um die Heilung der Riffe in die Hände derer zu legen, die an diesen Ufern leben. Das neue Ausbildungszentrum macht die Bewohner zu Wächtern ihrer eigenen Umwelt. Sie beobachten das langsame Wachstum, das Schließen der Lücken und die Rückkehr der bunten Rifffische, der Mantarochen und Schildkröten in ein Habitat, das fast schon verloren schien.
Es ist ein Akt der Geduld und der Vernunft. In einer Region, in der das Meer sowohl Lebensgrundlage als auch Bedrohung sein kann, wählen die Beteiligten den Weg des beharrlichen Aufbaus. Das Geflecht aus Stahl und Kabelbindern ist dabei nur das Hilfsmittel; die eigentliche Kraft liegt in der menschlichen Entscheidung, die Zerstörung nicht als endgültig hinzunehmen.