„Ich dachte, ich könnte 93 Prozent schaffen“, sagte Habumugisha Samuel, „aber ich hätte mir nie vorgestellt, dass ich der Erste im Land sein würde.“ Nach Angaben der Nachrichtenseite Agaciro Press lag er auch unter allen Prüflingen des Landes, über alle Fächerkombinationen hinweg, auf Platz elf.
Die Krankheit begann, als er vier Jahre alt war. Mit acht konnte er nicht mehr sehen. Er stammt aus dem Distrikt Gicumbi im Norden des Landes und ging zunächst in die Grundschule von Kigogo. Später kam er an das Bildungsinstitut für blinde Kinder in Kibeho, im Süden, in den Hügeln des Distrikts Nyaruguru. Dort lernte er, von der Grundschule bis zum Abitur, mit Brailleschrift.
Seine Noten erzählen keine Geschichte von Wundern, sondern eine von Beharrlichkeit. Rund 90 Prozent in den ersten Grundschuljahren, dann ein Einbruch auf 80, danach 85 bis 89 in der Mittelstufe und schließlich mehr als 93 in der Oberstufe. Nun möchte er an der Universität Journalismus oder Pädagogik studieren.
Habumugisha war nicht allein. Die Schule in Kibeho schickte in diesem Jahr fünfzehn Kandidaten zu den nationalen Abschlussprüfungen, laut Agaciro Press zum ersten Mal überhaupt. Alle fünfzehn bestanden. Die höchste Punktzahl der Schule erreichte nicht er, sondern sein Mitschüler Niragire Gadi, der mit 94,27 Prozent ebenfalls landesweit Erster wurde, in der Kombination aus Geschichte, Geografie und Literatur. Nyirabatware Alverie aus demselben Zweig kam auf 90,37 Prozent.
Die Schule selbst geht auf eine Frau zurück, die aus Polen nach Ruanda kam. Schwester Rafaela Nałęcz von den Franziskanerinnen, Dienerinnen des Kreuzes, gründete sie; das polnische Außenministerium bezahlte den Bau. Die Kongregation hat ihren Sitz in Laski bei Warschau und wurde 1918 von Elżbieta Róża Czacka gegründet, einer Frau, die selbst blind war. Als die Grundschulabteilung in Kibeho 2009 eröffnete, war sie die erste Schule für blinde Kinder in Ruanda.
Ende 2024 lernten dort 185 Kinder, unter ihnen auch Kinder mit Albinismus. Polnische, kenianische und ruandische Ordensschwestern unterrichten gemeinsam mit Lehrkräften aus dem Ort. Es gibt einen Chor, Tanzstunden und Strickkurse. Die Hilfsmittel aber, auf die der Unterricht angewiesen ist, sind teuer und schwer zu importieren; die Schule lebt, so sagen die Mitarbeiter, von Spenden.
Schon 2024 hatte ein anderer Schüler aus Kibeho, Jean de Dieu Niyonzima, in den Prüfungen der Mittelstufe landesweit den fünften Platz belegt. Auch er sagte damals, er wolle Journalismus und Sprachen studieren.