Während ihres Praktikums am MedTech Lab der Universität Kapstadt lernte die Studentin der biomedizinischen Technik, dass Fortschritt oft bedeutet, auf das Überflüssige zu verzichten. In Gemeinschaften, in denen ein künstlicher Arm herkömmlicher Bauart ein Vermögen kostet, bleibt die Versehrung meist ein endgültiges Urteil. Abdulai beobachtete, wie aus einfachem Nylon und Polylactid eine Greifhilfe entstand, die allein durch die Bewegung der Schulter gesteuert wird.
Die raue, leicht geriffelte Textur des gedruckten Kunststoffs unter ihren Fingern wurde für sie zum Sinnbild einer neuen Ingenieurskunst. Unter der Leitung von Professor Sudesh Sivarasu wird hier nicht versucht, kostspielige westliche Apparate zu kopieren. Stattdessen sucht man nach Lösungen, die in der Hitze und Feuchtigkeit des subsaharischen Afrikas bestehen können, ohne auf eine ständige Stromversorgung angewiesen zu sein.
Der sogenannte ADL Arm nutzt ein mechanisches Bowdenzug-System, das die Kraft des Rückens direkt auf die künstliche Hand überträgt. Für Jemila Abdulai wandelte sich in diesen Wochen das Verständnis ihres Berufsstandes: Es ging nicht mehr nur um die Lösung technischer Rätsel, sondern um die Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit eines anderen Menschen. Das Design ist bewusst offen gehalten, damit Werkstätten in verschiedenen Regionen die Bauteile selbst herstellen und anpassen können.
Indem sie den Prototyp wog und seine Mechanik prüfte, erkannte sie die stille Kraft dieser zweckmäßigen Konstruktion. Es ist die Entscheidung, die Technik dorthin zu bringen, wo der Mensch sie braucht, anstatt darauf zu warten, dass der Mensch sich die Technik leisten kann.