Die Antwort kam aus FarmerChat, einer kostenlosen Anwendung der gemeinnützigen Organisation Digital Green. Yadav beschrieb, was er sah, schickte die Aufnahmen, bekam eine Diagnose und einen Behandlungsplan. „Innerhalb weniger Tage war die Ausbreitung der Krankheit unter Kontrolle", sagte er. „Es hat mir geholfen, eine große Zahl von Setzlingen zu retten und meine Verluste zu verringern."

Anthraknose und Echter Mehltau gehören zu den häufigsten Pilzkrankheiten in indischen Mangoanlagen. Beide breiten sich bei feuchter Luft am schnellsten aus — genau dann, wenn ein Rat am dringendsten gebraucht wird und am schwersten zu bekommen ist.

Denn die staatliche Landwirtschaftsberatung erreicht in Indien schätzungsweise 6,8 Prozent der Bauern. Von 27.937 zentral bewilligten Beraterstellen waren 13.672 besetzt, 14.265 standen leer. In diese Lücke hinein arbeitet die App, die seit Oktober 2024 verfügbar ist und inzwischen nahe an eine Million Nutzer heranreicht.

Hinter der Anwendung steht Rikin Gandhi, Mitgründer und Geschäftsführer von Digital Green. Er hat Luft- und Raumfahrttechnik am MIT studiert, Informatik an der Carnegie Mellon University und bei Oracle patentierte Suchalgorithmen für Sprache entwickelt. Als das Projekt 2006 noch in der Forschungsabteilung von Microsoft India lief, verbrachte Gandhi ein halbes Jahr in Dörfern in Karnataka und probierte Lehrformate aus. Er entschied sich am Ende gegen die Fachleute von außen: Die Schulungsvideos sollten von Bauern selbst gedreht werden. Fast 8.000 solcher Filme in mehr als fünfzig Sprachen sind seither entstanden.

FarmerChat setzt diese Linie fort. Gebaut wurde die Chat-Ebene von der Firma Gooey.AI aus San Francisco, die Spracherkennung liefert Bhashini, die Sprachtechnologie-Plattform der indischen Regierung. Anfragen lassen sich tippen, sprechen oder fotografieren — auf Hindi, Telugu, Englisch, Swahili oder Amharisch. Die 1,4 Millionen Fragen und Antworten, die dabei zusammengekommen sind, hat Digital Green als öffentlichen Datensatz veröffentlicht.

Im benachbarten Mirzapur steigerte die Bittergurken-Anbauerin Jyoti Devi ihre Wochenernte auf 20 bis 30 Kilogramm. In Bihar verschob die Kartoffelbäuerin Anu Kumari ihre Aussaat, nachdem die Regenprognose der App einen Sturm angekündigt hatte.

Digital Green beziffert, was sich am deutlichsten verändert hat: Eine neue Anbaumethode bei einem einzelnen Bauern durchzusetzen kostete früher 35 Dollar. Heute liegt der Betrag unter einem Dollar.