„Seit ich ein Kind war, arbeite ich hier mit dem Warmschmieden“, sagt der 30-Jährige. An den Moment, in dem er den Hammer zum ersten Mal sah, erinnert er sich genau: „Ich war wie gebannt. Ich wusste sofort, dass ich davon leben würde.“

Nach Angaben von Akin Öz, dem Vizepräsidenten der Kammer der Eisenhandwerker von Izmir, ist die Werkstatt der Akdemirs die letzte im Basar, die noch mit heißem Eisen arbeitet. Ihre Geschichte beginnt 1955 mit einem Meister aus Konya, dem Lehrmeister von Süleymans Urgroßvater. Später übernahm der Vater, Ömer Akdemir, heute 54. Die Familie lebte lange von dem, was die Händler und Handwerker des Viertels brauchten: Messer zum Zuschneiden von Schuhsohlen, Nadeln für die Tabakverarbeitung. Dann übernahmen Fabriken und Laserschneider diese Arbeit, und die Nachfrage brach weg.

2014 eröffnete Süleyman ein Instagram-Konto. Er wollte neue Kunden finden und wusste noch nicht, wer sie sein würden. Zwei Jahre später kamen die ersten Anfragen nach Äxten wie aus Diriliş: Ertuğrul. Die Serie des türkischen Staatssenders TRT erzählt vom Vater Osmans I., der die osmanische Dynastie begründete. Über Netflix fand sie ein Publikum weit über die Türkei hinaus.

Diese Anfragen veränderten die Werkstatt. Auf die Äxte folgten Waffen aus World of Warcraft, Game of Thrones und League of Legends. Darunter war ein Schwert nach dem Vorbild von Frostmourne, der Klinge des Lichkönigs, die im Spiel der Prinz Arthas Menethil trägt, bevor er selbst zum Lichkönig wird. Ein Eisen, das es nur auf Bildschirmen gab, liegt nun auf einem Amboss in einem Basar, der seit dem 17. Jahrhundert gewachsen ist.

Neben der Esse arbeitet Yağız Can Sönmez, 33. Er war Goldschmied, bevor er als Lehrling in die Schmiede kam und damit zur Metallarbeit zurückfand. An seinem Schleifplatz häufen sich die Holzspäne. Was ihn hierher gezogen habe, sagt er, sei die Möglichkeit, „das, was man im Kopf und in der Seele trägt, auf ein hartes Metall zu übertragen“.

Ömer Akdemir hat den Wandel seiner Werkstatt nicht als Verlust erlebt. Wer das Werkzeug der Großväter gegen Fantasy-Waffen eintauscht, könnte sich von der Tradition entfernt fühlen. Der Vater sieht darin ihre Fortsetzung.

„Ich bin offen für jede Art von Fortschritt. Wer an einem Ort stehen bleibt, kann nicht wachsen.“

Wenn der Basar sich am Abend leert und die Teeverkäufer die Gläser einsammeln, verstummt auch der Hammer. Am nächsten Morgen liegt wieder Eisen im Feuer.