Die Trikuspidalklappe wurde in der Medizin lange als das „vergessene Ventil“ bezeichnet. Wenn sie nicht mehr schließt, staut sich das Blut, der Körper schwillt an, und die Organe ermüden. Für die beiden Frauen in Oran war der klassische Weg — das Öffnen des Brustkorbs — aufgrund ihres Alters und ihres geschwächten Zustands unmöglich geworden. Die Medizin hatte für sie keine Antwort mehr, bis Laaradj und ihr Team, unterstützt von dem italienischen Experten Dr. Marco Di Marco, die TriClip-Technik nach Algerien brachten.

Der Eingriff gleicht einer nautischen Navigation in kleinstem Maßstab. Über einen winzigen Schnitt in der Leiste wird eine hauchdünne Klammer aus einer Kobalt-Chrom-Legierung durch die Venen bis in das schlagende Herz geschoben. Unter der ständigen Kontrolle von Ultraschallbildern wird die Klammer genau dort platziert, wo die Herzklappe ihre Dichtigkeit verloren hat. Ein kurzes Greifen, ein sanfter Druck, und das Ventil hält wieder stand.

Nachdem die Klammer gesetzt war, zeigten die Monitore sofort ein ruhigeres Bild. Der Rückfluss des Blutes war gestoppt, der Kreislauf der Frauen stabilisierte sich noch auf dem Operationstisch. Es ist eine technische Meisterleistung, doch für Nadia Laaradj und ihr Team am CHU Dr. Benzerdjeb ist es vor allem ein Akt der Menschlichkeit: Die Gewissheit, dass Alter und Gebrechlichkeit kein Grund mehr sein müssen, einem Patienten die Heilung zu verweigern.

Mit diesem Erfolg reiht sich das Krankenhaus in Oran in eine kleine Gruppe spezialisierter Zentren weltweit ein. Nach über 130 erfolgreichen TAVI-Eingriffen und ersten Erfahrungen mit der Mitralclip-Methode im Vorjahr ist dieser jüngste Schritt ein Beweis für die wachsende Expertise in der Region. Für die beiden Patientinnen bedeutet der Eingriff keine monatelange Genesung; sie konnten das Krankenhaus bereits nach wenigen Tagen verlassen, getragen von einem Herzschlag, der nun wieder seinen festen Rhythmus gefunden hat.