Grillas stammt aus der Camargue, einer Landschaft, die das Wasser kennt wie kaum eine andere. Als leitender Ökologe des Forschungsinstituts Tour du Valat hat er Jahrzehnte damit verbracht, die empfindliche Balance der mediterranen Sumpfgebiete zu studieren. In diesem Januar brachte er diese Erfahrung auf das maltesische Archipel, eine Inselgruppe von nur 316 Quadratkilometern, auf der jeder Tropfen Süßwasser und jedes Brackwasserbecken eine Kostbarkeit darstellt. Gemeinsam mit BirdLife Malta und der Society for Ecological Restoration (SER-Europe) leitete er ein viertägiges Training, das sich nicht in Berichten erschöpft, sondern die Hände der Praktiker in die Erde führt.
Die Notwendigkeit dieses Wissenstransfers ist messbar. Die Mittelmeerregion hat zwischen 1970 und 2013 fast die Hälfte ihrer Feuchtgebiete verloren. Auf Malta, wo es keine permanenten Flüsse oder Seen gibt, konzentriert sich das Leben auf Orte wie Is-Simar oder die Salzpfannen von Salina. Diese Orte fungieren als letzte Rastplätze für Vögel, die das offene Meer überquert haben. Grillas zeigt den Teilnehmern, wie man die Hydrologie eines Ortes liest – wie man versteht, wo das Wasser einst floss und mit welchen Eingriffen die natürliche Dynamik wiederhergestellt werden kann.
Während im Nordwesten Europas große Initiativen wie das Projekt REBORN mit Millionenaufwand versuchen, Seegraswiesen in der Nordsee großflächig wieder anzusiedeln, ist die Arbeit auf Malta von einem anderen Rhythmus geprägt. Es geht um das Kleinteilige, das lokale Verständnis für eine Umgebung, in der nur spezialisierte Arten wie der Mittelmeerkärpfling überdauern können. Dieser kleine Fisch ist das einzige Wirbeltier, das den extremen Salzschwankungen der maltesischen Küstentümpel trotzt.
Grillas’ Anwesenheit erinnert daran, dass Naturschutz eine menschliche Geste ist, eine Weitergabe von Handwerk von einer Generation zur nächsten. In den vier Tagen auf der Insel wurde die neue EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur von einem abstrakten Regelwerk zu einer konkreten Aufgabe. Es geht nicht darum, die Landschaft zu bezwingen, sondern sie so vorzubereiten, dass sie sich selbst heilen kann. Wenn Patrick Grillas zeigt, wie man eine Böschung sichert oder eine Wasserzufuhr reguliert, dann tut er dies mit der Gewissheit eines Mannes, der weiß, dass die Natur nur dort zurückkehrt, wo man ihr den nötigen Raum mit Bedacht bereitet hat.