Die Stadt, in der die österreichische Gebärdensprache bereits seit September 2005 in der Bundesverfassung verankert ist, bereitet sich auf die Ankunft tausender Gäste vor. Während die Architektur der Wiener Stadthalle, ein Entwurf von Roland Rainer aus den 1950er-Jahren, den festlichen Rahmen bietet, sorgt die digitale Plattform Accessify für eine neue Form der Teilhabe. Über das Smartphone empfangen Besucher Bildbeschreibungen, Gebärdensprach-Dolmetschung oder eine direkte Verstärkung des Tons für Bluetooth-Hörgeräte.

Bereits im Januar traten Akteure aus der internationalen Gehörlosengemeinschaft zu Auditionen an, um die komplexen Melodien in visuelle Metaphern zu verwandeln. Diese Sign Performer choreografieren ihre Bewegungen oft Wochen im Voraus, um selbst instrumentale Soli und elektronische Beats allein durch Körperpräsenz darzustellen.

Für jene, die den Bass nicht hören können, werden während der Live-Shows spezielle Vibrationswesten ausgegeben. Diese haptische Technologie wandelt Schallwellen in feine Impulse um, die direkt auf der Haut zu spüren sind. Es ist eine Technik, die ursprünglich in den 1990er-Jahren für die Arbeit in Tonstudios entwickelt wurde, um tiefste Frequenzen kontrollierbar zu machen; nun dient sie dazu, die physische Wucht eines Konzerts für alle Menschen im Saal gleichermaßen greifbar zu machen.

Dieser Anspruch auf Zugänglichkeit ist in Wien kein kurzfristiges Projekt für eine Großveranstaltung, sondern folgt einer Gesetzgebung, die bereits 1991 eingeleitet wurde. Mit der gleichzeitigen Ausrichtung der Nationalen Special Olympics Sommerspiele unterstreicht die Stadt ihr Ziel, Hindernisse im öffentlichen Raum – ob baulicher oder digitaler Natur – konsequent abzubauen.