Die Suche, die in jener Nacht des Jahres 2018 begann, forderte von den Forschern eine fast meditative Geduld. Gemeinsam mit Hastin Ambar Asti verbrachte das Team Stunden damit, sich auf Händen und Knien durch das feuchte Unterholz zu tasten. Oft verging mehr als eine Stunde, bis das Auge die feine Kontur eines einzigen Tieres im Moos von den Schatten der Umgebung unterscheiden konnte, so vollkommen war die Tarnung dieses winzigen Wesens gegen die Welt der Riesen um es herum.
Mit einer Körperlänge von lediglich 18 bis 21 Millimetern gehört die neue Spezies zu den kleinsten Bewohnern des Hochlands. Alamsyah Elang Nusa Herlambang analysierte am Museum Zoologicum Bogoriense die DNA und die akustischen Muster der Rufe, um die Gewissheit zu festigen, dass hier ein neues Kapitel der javanischen Naturgeschichte aufgeschlagen wurde. Es ist die erste umfassende taxonomische Bewertung dieser Gattung auf der Insel seit Generationen.
Das Besondere an Philautus candrageni liegt in einer stillen Anpassung: Die Art verzichtet auf das Stadium der Kaulquappe. In den feuchten Nebelwäldern entwickeln sich die Embryonen direkt innerhalb der schützenden Eihülle und schlüpfen als fertig geformte, wenn auch mikroskopisch kleine Frösche in ihr Habitat. Diese Strategie bindet sie untrennbar an die winzigen, wassergesättigten Mikroklimata der Vulkanausläufer, wo das Leben zwischen zwei Eruptionen des Merapi seine Nischen findet.
Es bedurfte der präzisen Arbeit vieler Hände und der Beharrlichkeit des Geistes, um dieses unsichtbare Leben zu dokumentieren. Die Entdeckung erinnert daran, dass die Natur ihre Geheimnisse nur jenen offenbart, die bereit sind, im Angesicht des Gewaltigen – dem Grollen des Vulkans – auf das Allerkleinste zu achten.