Es war die Paläontologin Julia Clarke, die das Potenzial dieses unscheinbaren Blocks erkannte und die Forscher dazu ermutigte, ihn zur Untersuchung nach Texas zu bringen. In den Laboren der University of Texas blickten die Wissenschaftler mittels hochauflösender Computertomographie durch die harten Schichten des Gesteins. Was sie dort in den digitalen Schnitten entdeckten, war eine Seltenheit für die koreanische Halbinsel: nicht nur Wirbel und Gliedmaßen, sondern Fragmente eines Schädels.
Das Tier, das nun den Namen **Doolysaurus huhmini** trägt, war zur Zeit seines Todes etwa zwei Jahre alt. Mit seiner zierlichen Statur, kaum größer als ein Truthahn, und einem vermutlich flaumigen Federkleid aus feinen Filamenten glich das Jungtier in seiner äußeren Erscheinung wohl eher einem kleinen Lamm als den gewaltigen Echsen der populären Vorstellung. Es gehörte zu den Thescelosauriden, zweibeinigen Pflanzenfressern, die durch die feuchten Küstenwälder der Kreidezeit streiften.
Die Benennung des Fossils ist ein Akt der tiefen Verbundenheit. Mit dem Namen ehrt Dr. Jongyun Jung seinen Mentor **Min Huh**, der seit drei Jahrzehnten die Paläontologie seines Landes prägt. Der Gattungsname hingegen ist eine Verbeugung vor der Kindheit: „Dooly der kleine Dinosaurier“ ist eine der beliebtesten Zeichentrickfiguren Südkoreas. So verbindet sich in diesem Fund die strenge Wissenschaft mit der Wärme persönlicher und kultureller Erinnerung.
Dass dieses Skelett überhaupt die Jahrmillionen überdauerte, grenzt an einen glücklichen Zufall der Naturgeschichte. Die sauren Böden der Region zersetzen organisches Material meist vollständig, bevor der Prozess der Versteinerung einsetzen kann. Während das Land zwar zehntausende Trittsiegel bewahrt hat, blieben die Knochen der Tiere fast immer ein unerreichbares Geheimnis. Der Doolysaurus von der Insel Aphae ist somit einer der wenigen Zeugen, die der Vergänglichkeit des Bodens erfolgreich getrotzt haben.