Was die Forscherin vom Nationalen Forschungs- und Innovationszentrum (BRIN) schließlich unter den Gesteinsschichten fand, war eine winzige Deckelschnecke aus der Familie der Cyclophoridae. Die Namensgebung der neuen Art, dayangmerindu, ist eine bewusste Verbeugung vor der Kultur Südsumatras. Sie bezieht sich auf die tragische Figur der Prinzessin Putri Dayang Merindu, die der Sage nach von einem Wanderer mit der „bitteren Zunge“ verflucht und mitsamt ihrer Umgebung in Stein verwandelt wurde.

Dass ausgerechnet dieses Tierchen auf jenen Kalksteinfelsen lebt, die im Volksglauben als die versteinerten Überreste der Prinzessin gelten, verleiht der Entdeckung eine menschliche Tiefe. Es dauerte Jahre geduldiger Arbeit – von der ersten Expedition im Jahr 2021 über anatomische Vergleiche bis hin zu genetischen Analysen –, bevor die wissenschaftliche Gemeinschaft im März 2026 die Eigenständigkeit der Art anerkannte.

Die Biologie der Chamalycaeus dayangmerindu offenbart eine faszinierende Anpassung an ihre karge Umgebung. Die winzigen Schnecken besitzen eine mikroskopisch kleine, hohle kapillare Röhre nahe ihrer Gehäusemündung. Diese Struktur ermöglicht es ihnen zu atmen, selbst wenn sie sich bei Trockenheit vollständig in ihr Haus zurückziehen und den Deckel fest verschließen. Sie sind Spezialisten des Überlebens in einem Ökosystem, das wie eine Insel inmitten des Regenwaldes fungiert.

Diese ökologische Isolation macht sie jedoch verwundbar. Da die Art bisher weltweit nur an diesem einen Standort im Regierungsbezirk Ogan Komering Ulu nachgewiesen wurde, hängt ihr Fortbestehen unmittelbar mit dem Schutz dieser speziellen Felsformationen zusammen. Für Ayu Savitri Nurinsiyah und ihr Team ist die Veröffentlichung ihrer Arbeit in der Fachzeitschrift ZooKeys kein Endpunkt, sondern eine Aufforderung, die noch weitgehend unerforschten Karstsysteme Sumatras systematisch weiter zu dokumentieren, bevor sie durch industrielle Eingriffe verloren gehen könnten.