Die Jaguar-Fähe Porá ist selbst ein Kind dieser Wildnis, eine der ersten ihrer Art, die im Januar 2021 als Jungtier gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester in die Freiheit entlassen wurde. Dass sie nun erneut Nachwuchs führt, ist das Ergebnis eines strengen Protokolls, das Douglas und Kristine Tompkins einst initiierten. Um die Tiere nicht an den Menschen zu gewöhnen, wurden sie in der Aufzuchtstation über mechanische Seilzüge gefüttert; kein menschliches Gesicht sollte die Raubkatzen mit Nahrung verknüpfen, damit sie ihre Instinkte bewahren konnten.

Heute beherbergt die Provinz Corrientes fast zehn Prozent des gesamten Jaguar-Bestands Argentiniens, wo die Art zuvor durch Jagd und den Verlust ihres Lebensraums fast vollständig verdrängt worden war. Die Rückkehr der Raubkatze ist dabei weit mehr als eine rein zoologische Korrektur; sie ordnet das gesamte Gefüge der Esteros del Iberá neu.

Wissenschaftler des CONICET-Instituts, darunter Carlos De Angelo und Alejandro Welschen, dokumentieren nun die Kaskadeneffekte dieser Wiederansiedlung. Indem die Jaguare die Bestände der Wasserschweine regulieren, erholt sich das Grasland der Sümpfe. Dieses kräftigere Pflanzenwachstum wiederum erhöht die Fähigkeit des Ökosystems, Kohlenstoff zu binden. So schließt sich ein Kreis, der mit dem Schutz eines einzelnen Tieres begann und nun das Klima der gesamten Region stützt. Das leise Knacken der Halme unter den breiten Pfoten der Raubkatze ist heute das Geräusch einer Landschaft, die zu ihrem Gleichgewicht zurückfindet.