Barnes, Forscher an der University of Cambridge und in Yorkshire zu Hause, hat als Zeichner am Field Guide to the Birds of Peru von Clements und Shany mitgearbeitet und führt seit Jahren Vogelreisen durch Peru, Chile und Venezuela. Lema Rivera koordiniert das Projekt an der Universidad Nacional Autónoma de Huanta. Gemeinsam untersuchen sie im Vorhaben zur Erforschung der Umweltsysteme und Ökosystemleistungen der Region Huanta die Hänge einer Provinz, die in der Ornithologie lange ein weißer Fleck blieb.
Der Vergleich mit bekannten Arten ergab Abweichungen in Körperbau und Lautäußerung. Das reicht für eine Ankündigung, nicht für einen Namen. Die beiden bereiten nun ein wissenschaftliches Manuskript vor: Es muss die diagnostischen Merkmale festlegen, das Verbreitungsgebiet abgrenzen und den Schutzstatus einschätzen. Erst dann trägt der Vogel einen Eintrag in der Systematik.
Die Gattung verdankt ihren Namen ihren Bauwerken — phakellos, das Reisigbündel, und domos, das Haus. Diese Vögel schichten aus Stöcken von bis zu sechzig Zentimetern Länge Nester, die selbst einen halben Meter hoch werden, mit seitlichem Eingang und einer ausgepolsterten Kammer von zehn bis zwölf Zentimetern Breite. Manche Arten bauen zusätzliche Kammern ein, die leer bleiben und Räuber offenbar in die Irre führen sollen. Weil solche Konstruktionen an kahlen Ästen weithin sichtbar hängen und über Jahre erweitert werden, lassen sich die Tiere leichter über ihre Bauten zählen als über Sichtungen.
Dass die Wälder von Huanta so spät untersucht werden, hat einen Grund, der nichts mit Biologie zu tun hat. In Ayacucho begann 1980 der interne bewaffnete Konflikt, und nirgends traf er härter. Die Wahrheitskommission schrieb 2003 rund vierzig Prozent der fast 69.000 Toten und Verschwundenen des Landes diesem einen Departement zu; Huanta gehörte zu den am schwersten betroffenen Provinzen. Feldarbeit in den Wäldern wurde erst wieder Routine, als der Konflikt um 2000 auslief. Zwei Jahrzehnte Stille in den Notizbüchern — deshalb ist dieser Hang schlechter kartiert als vergleichbare Andenflanken weiter nördlich.
Auch die Universität ist jung: 2011 per Gesetz gegründet, 2017 als zweite staatliche Hochschule Perus lizenziert. Ihr Partner in Cambridge ist das Cavendish-Laboratorium — die Physikabteilung, in der einst das Elektron nachgewiesen und die Doppelhelix modelliert wurde. Nun steht in ihren Projektakten ein Vogel aus einem zerstückelten Andenwald, der auf seinen Namen wartet.