Das Pichiciego menor, wissenschaftlich Chlamyphorus truncatus genannt, wiegt kaum 100 Gramm und passt in die hohle Hand eines Menschen. Es ist ein Geschöpf der Dunkelheit, das fast sein gesamtes Leben unter der Erdoberfläche verbringt. Wenn es sich zeigt, dann meist nur für wenige Meter, bevor es mit seinen kräftigen Vorderkrallen den Boden aufreißt und wieder im schützenden Sand verschwindet.

An diesem Tag gelang es den Rangerinnen, das Tier nicht nur zu beobachten, sondern seine genauen Koordinaten und Maße festzuhalten. Die zartrosa Färbung seines Panzers, die ihm den Namen Rosa Fee einbrachte, ist kein dekoratives Element, sondern ein lebendiges Thermometer: Wenn das Tier erwärmt wird, füllt sich der Panzer mit Blut und leuchtet tiefrosa; in der Kälte verblasst er zu einem fahlen Weiß.

Für Forscher wie Dr. Mariella Superina vom CONICET Mendoza ist diese Begegnung von unschätzbarem Wert. Das Wissen über die Art ist so lückenhaft, dass die Weltnaturschutzunion sie in der Kategorie „ungenügende Datengrundlage“ führt. In Gefangenschaft bricht der Lebenswille dieser Tiere binnen Tagen; sie benötigen die Freiheit des Monte-Waldes, um zu bestehen. Die senkrechte Platte an ihrem Hinterteil dient dabei als biologisches Siegel, mit dem sie ihre Tunnel gegen Eindringlinge verschließen.

Pablo Cuello, der Koordinator des Reservats, sieht in diesem Moment das Ergebnis einer jahrzehntelangen Geduld. Das Gebiet von Ñacuñán, dessen Name in der Sprache der Huarpe „weißer Adler“ bedeutet, wurde einst für seine Algaborro-Wälder kahlgeschlagen, um die Eisenbahnen und Weinberge von Mendoza zu befeuern. Dass das Pichiciego hier heute noch gräbt, ist ein stilles Zeugnis für die Regenerationskraft der Natur, wenn der Mensch ihr den nötigen Raum zugesteht.