Seit dem Frühjahr 2026 hat sich diese Grenze aufgelöst. New Mexico hat unter dem Namen Turquoise Care sein Medicaid-Programm so erweitert, dass traditionelle Praktiken der Native Americans erstmals als vollwertige Gesundheitsleistungen anerkannt und vergütet werden. Den Anfang machte die Navajo Nation, deren Mitglieder nun eine Überweisung zu einem zertifizierten Heiler erhalten können, genau wie zu einem Facharzt für Kardiologie oder Orthopädie.
Die Neuerung bricht mit einer bürokratischen Tradition, die Heilung stets an feste Räumlichkeiten band. Die sogenannten „vier Wände“, die üblicherweise für eine staatliche Abrechnung nötig sind, existieren in diesem Programm nicht mehr. Eine Heilung kann in einer Klinik stattfinden, aber ebenso in einer Schwitzhütte, im privaten Heim oder unter freiem Himmel, wo der Wind und die Erde Teil der Medizin sind.
Für die junge Medizinstudentin Taylor Russel, deren Großeltern selbst als Heiler tätig waren, bedeutet dieser Schritt mehr als nur eine finanzielle Entlastung. Sie studiert an der University of New Mexico, um später als Ärztin beide Welten zu vereinen. Für sie ist die Berührung einer Hand während eines Gebets oder die Anwendung ritueller Mineralien keine bloße Folklore, sondern ein zutiefst menschlicher Akt der Fürsorge, der den Genesungsprozess oft erst ermöglicht.
Es geht darum, die traditionellen Praktiken endlich als legitime Gesundheitsfürsorge anzuerkennen.
Die Qualitätssicherung dieses neuen Weges liegt in den Händen der Gemeinschaften selbst. Gemeinsam mit Stammesführern wurden Prozesse entwickelt, die sicherstellen, dass die Weisheit der Alten gewahrt bleibt, während die bürokratischen Hürden der Abrechnung im Hintergrund verschwinden. Wenn nun ein Patient im Indian Health Service nach einer Kräuterbehandlung oder einer rituellen Reinigung verlangt, ist dies kein Bittgang mehr, sondern der Anspruch auf eine Behandlung, die seinen ganzen Menschen meint.