Als ihre Tochter das Schulalter erreichte, standen Raffa Bazine, 41, aus Tunesien, und Monica Abbate, 34, aus Sizilien, vor der Rechnung, die jede Familie auf den kleinen Inseln irgendwann aufmachen muss: bleiben und das Kind ohne Unterricht lassen, oder gehen. Sie entschieden sich für eine dritte Möglichkeit. Wir sind verliebt in unser Paradies, die Natur, das Meer, sogar in den Vulkan, der über unseren Häusern aufragt, sagten sie. Wir wollen nicht weg.

Italienische Vorschriften sehen für eine staatliche Grundschulklasse eine Mindestzahl von Schülern vor — sechzehn im Normalfall, zehn auf kleinen Inseln und in Bergdörfern. Eine Klasse mit einem einzigen Kind braucht eine Ausnahmegenehmigung. Patrizia Muscolino, Leiterin des Istituto Comprensivo von Lipari, dem alle äolischen Schulen unterstehen, und der Bürgermeister stellten sich hinter den Antrag. Das Schulamt der Provinz Messina gab ihn frei. Am 10. September beginnt der Unterricht.

Ginostra liegt am südwestlichen Hang des Vulkans, erreichbar nur mit dem Tragflügelboot oder der Fähre aus Milazzo, Lipari und Neapel. Der Hafen Pertuso galt jahrzehntelang als einer der kleinsten der Welt; vor seiner Erweiterung in den frühen 2000er Jahren wurden die Passagiere im Ruderboot an Land gebracht. Strom aus dem Netz kam ebenfalls erst in diesem Jahrhundert. Die Abwanderung, die nach dem Ausbruch von 1930 einsetzte und die Strombolianer bis nach Melbourne und New York führte, hat die Schule vor zwanzig Jahren geschlossen. Nun kehrt der Unterricht zurück, weil eine Familie geblieben ist.

Auf Filicudi, einer der Nachbarinseln, hat ein zehnjähriges Mädchen einen Brief an die Regierung geschrieben. Es bittet um dasselbe: nicht fortgehen zu müssen, um die Mittelschule zu besuchen.