Steven Cooke, Professor an der Carleton University, blickt auf Daten, die das Ausmaß einer fast vergessenen Zerstörung und einer nun einsetzenden Heilung offenbaren. Jahrzehntelang war der Fluss die unermüdliche Schlagader des industriellen Aufstiegs, doch unter der Oberfläche schwand das Leben; 135 Arten, darunter der majestätische Schwertstör, galten als verloren. Erst das radikale, auf zehn Jahre angelegte Fangverbot unter dem Jangtse-Schutzgesetz schenkte dem Ökosystem die notwendige Atempause.
Besonders die größeren Fische, jene mit einer Länge von mehr als 19 Zentimetern, haben von der neu gewonnenen Freiheit profitiert. Es ist eine Erholung, die selbst erfahrene Forscher überrascht. Die Natur, so stellt Cooke fest, zeigt eine beeindruckende Widerstandskraft, sobald man ihr den nötigen Raum und die Zeit zur Genesung gewährt.
Die Verwandlung des Flusses ist jedoch nicht allein ein statistischer Erfolg, sondern eine zutiefst menschliche Erzählung. Tausende Männer, die ihr Leben lang die Netze auswarfen, haben die Seiten gewechselt. Sie patrouillieren nun als staatlich angestellte Flusswächter auf denselben Gewässern, die sie einst befischten. Mit ihrem intimen Wissen über versteckte Kanäle und Strömungen spüren sie heute illegale Netze auf und sichern so das Überleben des gefährdeten Jangtse-Glattschweinswals.
Diese Männer stehen am Ufer und beobachten, wie die Karpfen wieder ihre langen Wanderungen zu den Laichplätzen antreten können, ohne in den Maschen der Industrie hängen zu bleiben. Es ist der Verzicht einer ganzen Generation von Küstenbewohnern, der diesen Triumph der Natur erst möglich gemacht hat.