Loyola, eine Nachfahrin bedeutender Pemón-Häuptlinge, verbindet zwei Welten, die oft weit voneinander entfernt scheinen. Während sie als Krankenschwester die physische Gesundheit ihrer Gemeinschaft hütet, widmet sie sich als Anführerin der Heilung des Landes. Das Wasser des Río Caroní fließt dunkel und lichtdurchlässig wie schwerer Tee an ihrer Heimat vorbei – eine Färbung, die von den organischen Säuren des verrottenden Waldmoders stammt und das Blut dieses uralten Landes bildet.
Dieses Wasser ist weit mehr als eine lokale Ressource; es ist das Herzstück der venezolanischen Infrastruktur. In einem Becken von 95.000 Quadratkilometern sammelt sich der Regen, der schließlich durch die Turbinen des Guri-Staudamms stürzt. Jede Pflanze, die Loyola in der Nähe der Troncal 10 setzt, trägt dazu bei, den Wasserkreislauf zu stabilisieren, der fast drei Viertel des Landes mit Elektrizität versorgt.
In den Sitzungen des Consejo de Sabias y Sabios, dem Rat der Weisen, hört Loyola den Ältesten zu. Hier wird das Wissen über Heilpflanzen und essbare Waldfrüchte weitergegeben, das durch moderne Einflüsse zu verblassen drohte. Gemeinsam mit einer neu gegründeten indigenen Brigade für Brandmanagement wird nun ein jahrhundertealtes Gleichgewicht wiederhergestellt: Statt Feuer nur als Bedrohung zu sehen, nutzen sie kontrollierte Brände nach alter Tradition, um die Biomasse zu regulieren und verheerende Großfeuer zu verhindern.
Die ersten Erfolge dieser beharrlichen Arbeit sind bereits sichtbar. Wo früher karge Flächen waren, kehren heimische Früchte zurück, und mit ihnen die Tiere des Waldes. Für Alejandra Loyola ist dies kein abstraktes Umweltprojekt, sondern ein Akt der Gerechtigkeit gegenüber ihren Ahnen und der Verantwortung gegenüber den Kindern von Mapaurí, die in der Baumschule lernen, dass ihre Kultur so tief verwurzelt ist wie die Bäume, die sie pflanzen.