Meleta Bennett, die heutige Tumu des Nationalen Weberei-Instituts, führt das Werkzeug mit einer Ruhe, die sie von ihrer Mentorin Edna Pahewa übernommen hat. Es geht um mehr als das bloße Verflechten von Harakeke, dem neuseeländischen Flachs; es ist das Freilegen der Muka, jener weißen inneren Faser, die mit einer Muschelschale, der Kuku, vorsichtig aus dem Pflanzengrün geschält wird. Wer hier lernt, tritt in eine Ahnenreihe ein, die 1926 unter dem Staatsmann Sir Āpirana Ngata neu begründet wurde, um das drohende Vergessen der Māori-Künste abzuwenden.

Die Ausbildung der ein bis vier neuen Schüler, die im Februar 2026 ihre Plätze einnehmen, folgt einem strengen Gesetz der Natur und des Respekts. Nach dem traditionellen Tikanga bleibt der mittlere Trieb des Flachsbüschels stets unberührt, flankiert von seinen zwei nächsten Blättern – den „Eltern“, die das Überleben der Pflanze sichern. Es ist eine stille Übereinkunft zwischen Mensch und Erde, die auch die Weltwirtschaftskrise und die Schließung der Schule im Jahr 1937 überdauerte, bevor sie 1963 durch ein Parlamentsgesetz neues Leben fand.

Während die Welt sich beschleunigt, verlangt das Handwerk des Whatu – das fingerfertige Zwirnen der Umhänge – eine fast meditative Langsamkeit. Die Schüler leben von bescheidenen Stipendien, die direkt aus den Eintrittsgeldern der Reisenden finanziert werden, welche den Pōhutu-Geysir bestaunen. Dass diese Kunst heute nicht mehr nur als bloßes Kunstgewerbe, sondern als akademische Disziplin verstanden wird, bewiesen 2021 drei Weberinnen, darunter Gloria Taituha, die die ersten Doktortitel in der Arbeit des Mahi Raranga erwarben.

Wenn die neuen Lehrlinge im Herbst ihre Arbeit aufnehmen, werden sie lernen, das leuchtende Gelb des Pīngao-Grases und die Ranken des Kiekie zu verarbeiten. Sie werden die Fasern gegen ihre nackten Beine rollen, um den perfekten Zwirn zu erzeugen. Es ist ein Akt des Widerstands gegen die Flüchtigkeit der Moderne – ein Jahrhundert nach dem ersten Spatenstich bleibt die Kette der Überlieferung ungebrochen.